70 Jahre Unicef: Kinder weltweit brauchen dringende Hilfe

Von: epd/red
Letzte Aktualisierung:
13641296.jpg
Für die Rechte von Kindern im Einsatz: Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Foto: dpa

Köln. Sieben Jahrzehnte nach der Gründung von Unicef sind nach Angaben des Hilfswerks notleidende Kinder weltweit dringender denn je auf Hilfe angewiesen. „Die extreme Armut von Kindern ist nicht besiegt“, sagt der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, in Köln.

„Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass der Einsatz für Kinder, die unter kriegerischen Konflikten leiden, leider heute genauso so wichtig ist wie vor einigen Jahrzehnten.“ Das UN-Kinderhilfswerk kämpfe nach wie vor dafür, Waffenruhen zu erwirken, Kinder auch in abgelegenen Kampfgebieten zu versorgen und Jungen und Mädchen aus bewaffneten Gruppen freizubekommen. „Dieser Einsatz bleibt in der ‚DNA‘ unserer Organisation“, sagte Schneider.

Allerdings habe sich der Fokus verschoben: Während bei der Gründung am 11. Dezember 1946 die Nothilfe für Kinder im durch den Zweiten Weltkrieg verwüsteten Europa vorne stand, sei heute der Einsatz für benachteiligte Kinder weltweit Schwerpunkt von Unicef. „Heute verlaufen die sozialen Gegensätze nicht mehr nur zwischen Nord und Süd, sondern vor allem auch innerhalb der Staaten.“ Die meisten sehr armen Kinder lebten inzwischen in Ländern mit mittlerem Einkommen. Ihre Überlebenschancen seien sehr viel schlechter als die ihrer Altersgenossen, sie seien häufiger von Schulbildung ausgeschlossen und erlitten oft Ausbeutung und Gewalt.

Seit 1995 verbindet unsere Zeitung mit dem Kinderhilfswerk eine Partnerschaft, die bislang zu 24 Projektreisen in Krisen- und Kriegsgebiete führte. Unser Reporter Manfred Kutsch und seine Frau Silke Fock-Kutsch flogen dazu unter anderem nach Afghanistan, Nepal oder Bangladesch, nach Haiti, Guatemala oder Brasilien, nach Somalia, in den Kongo oder Sudan. Weit mehr als acht Millionen Euro Spenden kamen bislang zusammen.

Zwei Bücher, mehr als 30 Ausstellungen, rund 200 Veranstaltungen und Vorträge – davon viele in Schulen – komplettieren die Kooperation. Zahlreiche prominenter Repräsentanten des Hilfswerkes. fanden den Weg nach Aachen, etwa die verstorbenen Unicef-Botschafter Sir Peter Ustinov, Pierre Brice, Hans-Joachim Fuchsberger und Christopher Lee. Ebenso setzten sich Roger Moore, Harry Belafonte, Sabine Christiansen, Oliver Bierhoff oder Günter Grass für die Partnerschaft ein. Zuletzt taten dies auch Eva Padberg, Guido Cantz und Mats Hummels.

Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider wendet sich in einem Grußwort direkt an unsere Leserinnen und Leser und würdigt auch die aktuelle Kampagne im Nordirak: „Sie, liebe Leser, sind ein wichtiger Teil dieser Hilfe. Gerade jetzt ist die Unterstützung ein besonderes Geburtstagsgeschenk. Denn gerade jetzt, angesichts von dramatischen Krisen wie im Irak, kommen die Spenden für Kinder gerade zur richtigen Zeit. Sie lassen uns auch unter schwierigsten Umständen immer einen Schritt weitergehen. Gemeinsam habe man so in den vergangenen Jahren Hunderttausenden Kindern einen Platz in der Schule geben, sie mit Trinkwasser versorgen oder sie vor Gewalt schützen können. „All das bedeutet Hoffnung für Kinder, überall auf der Welt“, sagt Schneider.

In Syrien habe Unicef allein im vergangenen Jahr 1500 schwerste Menschenrechtsverletzungen an Kindern dokumentiert. Derzeit werde einer halben Million syrischer Kinder in belagerten Ortschaften jede Hilfe verweigert. „Das ist absolut unerträglich“, sagt der Chef des deutschen Unicef-Komitees. Durch immer mehr komplexe und langanhaltende Krisen drohten Fortschritte etwa im Kampf gegen Kindersterblichkeit und beim Schulbesuch wieder verloren zu gehen.

Flucht und Migration gehörten zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Nach Schätzung von Unicef sind derzeit rund 50 Millionen Kinder und Jugendliche entwurzelt, 28 Millionen von ihnen als Flüchtlinge und Vertriebene, erklärte Schneider. Mit Blick auf fremdenfeindliche Tendenzen in Europa betonte er, dass mehr als 80 Prozent aller Flüchtlinge in Ländern Afrikas, Asiens und zurzeit vor allem des Nahen Ostens lebten. „Diese Länder leisten oft trotz viel geringerer Ressourcen Unglaubliches, um den Kindern beizustehen“, sagt er. „Jedes Kind ist erst einmal kein Migrant, Asylbewerber oder Flüchtling, sondern ein Kind. Ein Kind, das besondere Unterstützung braucht und ein Recht darauf hat.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert