Wohin bloß mit dem alten Spielzeug?

Von: Nicole Diefenthal
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Weiß, wohin mit dem alten Spielzeug: Ulrich Koch, Geschäftsführer der AWA Entsorgung GmbH. Foto: Elmar Schwarze/Diefenthal
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Weiß, wohin mit dem alten Spielzeug: Ulrich Koch, Geschäftsführer der AWA Entsorgung GmbH. Foto: Elmar Schwarze/Diefenthal

Aachen. Das Spiel ist aus. Wohin mit dem Spielzeug? Von der Babyrassel, über das Puppenhaus bis hin zur Playstation begleitet Familien die Frage: Was tun wir mit Spielsachen, die bei uns keiner mehr benutzt? Wegwerfen, verschenken, verkaufen oder lieber tauschen? Alles ist möglich, sagt Ulrich Koch, Geschäftsführer der AWA Entsorgung GmbH mit Sitz in Eschweiler. Als Familienvater und Fachmann der Abfallwirtschaft gibt er am liebsten Tipps weiter, die verhindern, dass aus Spielzeug Müll wird.

Herr Koch, woran denken Sie als Erstes, wenn Sie neues Spielzeug kaufen?

Ulrich Koch: Das Spielzeug muss mir selbst gefallen, sich gut anfühlen und sinnvoll sein.

Und worauf achten Sie dabei?

Koch: Für mich spielt die Haltbarkeit und Langlebigkeit eine große Rolle. Billigkram ist bei mir Tabu! Je robuster ein Spielzeug ist, desto länger haben die Kinder und die Erwachsenen Freude damit.

Erwachsene sind aber oft schon zufrieden, wenn das beschenkte Kind leuchtende Augen kriegt. Was genau verschenkt wird, ist zweitrangig. Wie blicken Sie als Entsorger auf die Qualität von Spielzeug?

Koch: Es wird viel Spielzeug angeboten, das gerade für den Moment angesagt ist – zum Beispiel, weil es Spielfiguren aus aktuellen Kinofilmen sind. Leider wird es sehr schnell wieder uninteressant, weil der nächste Trend ansteht. Oder es ist so produziert, dass es bei Gebrauch schnell kaputt geht und nach kurzer Zeit in den Müll wandert. Ich persönlich streike beim Schenken, wenn die Qualität des Spielzeugs erkennbar nicht gut ist.

Wenn das Kinderzimmer aus allen Nähten platzt – oder das Kind sich langweilt, weil es nicht mehr weiß, womit es eigentlich spielen soll – beginnt das große Ausmisten. Haben Sie einen Tipp, wie es übersichtlich wird?

Koch: Viele Spielzeuge sind ja nur kurze Zeit im Einsatz. Dann sind die Kinder rausgewachsen und interessieren sich für andere Dinge. Für mich und meine inzwischen großen Kinder war das kein Problem. Wir haben eine große Verwandtschaft und viele Kollegen mit Kindern, die sich auch über gebrauchtes Spielzeug freuen. Im Gegenzug haben unsere Kinder auch immer Spielzeug „geerbt“ und mit Freuden bespielt. Spielzeug, das noch gut erhalten ist, kann man auch spenden für Kinder, die nur wenig haben. Es gibt in unserer Region und in jeder Stadt soziale Anlaufstellen, die gebrauchtes Spielzeug gerne entgegennehmen und weitergeben an Familien, die sich den Kauf von Spielzeug nicht leisten können.

Was sortiere ich also aus? In welchem Zustand sollten die Spielsachen sein?

Koch: Sauber, vollständig und gebrauchstüchtig sollten sie unbedingt sein!

Wie werde ich sie dann sinnvoll los?

Koch: Eine gute Möglichkeit bietet eine Spielzeug-Tausch-Börse, die die Abfallberatung der AWA im November vorigen Jahres durchgeführt hat. Alle, die teilgenommen haben, fanden das klasse! Spielzeug, das von einer Familie ausgespielt war, konnte gegen ein anderes gebrauchtes eingetauscht werden. Da fällt es vielen Kindern offensichtlich sehr viel leichter, Spielzeug abzugeben! Die Aktion hat allen soviel Spaß gemacht, dass wir sie in Zukunft noch öfter anbieten werden. Falls man dringend Platz braucht und sich gut trennen kann, bieten die Wunderkisten der AWA in Eschweiler, Nideggen und Aldenhoven ebenfalls eine Möglichkeit, Spielzeug weiterzugeben und damit die Nutzungsdauer zu verlängern.

Was mache ich mit dem Puzzle, bei dem ein Teil fehlt, oder mit dem Plastik-Parkhaus, dessen Aufzug kaputt ist? Irgendwie ist es ja zu schade zum Wegwerfen...

Koch: Oh, das kenne ich selbst. Wenn zuletzt ein Teil fehlt, ärgere ich mich! Ich würde so ein Puzzle trotzdem nicht wegwerfen, sondern draufschreiben, dass ein Teil fehlt, bevor ich es weitergebe. Wenn allerdings viele Teile fehlen oder kaputt sind, dann kommt es ins Altpapier. Ansonsten ist es eine schöne Eltern-Kind-Aktion, ein Spielzeug zu reparieren. Das geht aber nur, wenn Teile ausgetauscht oder ersetzt werden können. Ich habe einen guten Tipp: Wenn bei Brettspielen Männchen, Spiel- marken oder anderes Zubehör verloren gegangen ist, kann man im Internet stöbern, da gibt es zahlreiche Seiten, die für kleines Geld Ersatzteile anbieten.

Erklären Sie bitte, wie wir Dinge, die wirklich kaputt sind, richtig entsorgen? Ich denke da an Materialmix, Batterien usw.

Koch: Kaputtes Spielzeug, das mit Batterien betrieben wird, darf auf keinen Fall in die Restmülltonne! Es wird dafür aber kostenlos als kleines Elektrogerät entgegengenommen, zum Beispiel auf den Entsorgungs- und Logistikcentern (ELC) der AWA und den Wertstoffhöfen. Außerdem gibt es in vielen Kommunen in der Städteregion inzwischen auch Sammel-Container für defekte Elektrogeräte. Die Batterien müssen dazu vorher herausgenommen und getrennt über die Batteriesammelbehälter entsorgt werden. Diese gibt es ja in allen Geschäften, die Batterien verkaufen oder auch an öffentlichen Sammelstellen. Hartplastik wird inzwischen wiederverwertet. Deshalb nehmen wir große Spielzeuge, die überwiegend aus Hartplastik bestehen, wie zum Beispiel Rutschfahrzeuge, auf dem ELC Warden, dem ELC Horm und auf dem ELC Süd sowie auf den Recyclinghöfen der RegioEntsorgung in Stolberg, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen, getrennt an. Dagegen muss Spielzeug aus gemischtem Material über die graue Tonne, also den Restmüll entsorgt werden. Das heißt, es wird verbrannt.

Kann ich für gut erhaltene Sachen mit kleinen Mängeln denn auch Geld erwarten?

Koch: Natürlich kann man ausgediente Spielzeuge auch gut auf Flohmärkten anbieten. Da gilt es wie so oft: gekauft wie gesehen. Der Vorteil ist, dass die Kinder beim Trödeln mithelfen und so ihr Taschengeld aufbessern können. Beim Verkauf im Internet sollte man die Mängel nicht verschweigen und die eigene Haftung ausschließen.

Viele Erwachsene können es sich leisten, ihren Kindern und Enkeln neues Spielzeug zu kaufen. Warum ist es trotzdem sinnvoll, auch mal bei Gebrauchtem zuzugreifen?

Koch: Weil es Kindern gar nicht so wichtig ist, dass Spielzeug funkelnagelneu ist, sondern dass es Spaß macht, damit zu spielen. Und wenn Papa, Mama, Opa, Oma, Tante oder Onkel sich Zeit nehmen und mitspielen, umso mehr!

Beim Ausmisten entdecken gerade Kinder häufig das lang vermisste Lieblingsspiel wieder, das auf gar keinen Fall weg darf... Soll es bleiben oder doch weg (weil man es als Erwachsener ja besser weiß!)?

Koch: Ich habe Spielsachen meiner Kinder immer heimlich ausgemistet und sechs bis zehn Wochen in der Garage zwischengelagert. Wenn die Kinder es dann nicht vermisst haben, habe ich es weitergegeben. Aber: Auf jeden Fall die Schätze der Kinder respektieren!

Gibt es ein Spielzeug, von dem Sie sich nie trennen würden?

Koch: Das waren und sind meine elektrische Eisenbahn und viele hundert Modellautos!

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