Wie wir lernen gemein zu sein

Von: Charlotte Röwe und Tilman Schilling, Schülerreporter
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Pause im Grünen Klassenzimmer: Schüler der 9b und ihre Lehrerin Samira Idries (oben links) haben Szenen aus „Bonnie und Clyde“ auf ihrer schuleigenen Open-Air-Bühne inszeniert und einander vorgespielt. Theaterpädagogin Anja Geurtz (unten) hat die Schüler begleitet. Foto: Greta/Geurtz
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Anja Geurtz
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Aachen. Da stand Frau Idries, unsere Deutschlehrerin, mit dem GRETA-Plakat zu „Zwei wie Bonnie und Clyde… denn sie wissen nicht, wo sie sind“ vor uns. Sie offenbarte uns, dass unsere Klasse in den nächsten Wochen im Rahmen von wöchentlichen Doppelstunden, Probenbesuchen und dem Besuch der Aufführung an unserer Schule an einem Projekt teilnehmen würde. Wir waren wir froh, ein paar Stunden „unterrichtsfrei“ zu haben. Dachten wir. Aber wir waren auch gespannt auf das, was auf uns zukommen würde.

In der Grundschulzeit

Die Theaterpädagogin des Grenzlandtheaters, Anja Geurtz, kam zu uns. Gemeinsam mit ihr begleiten wir nun also die Produktion und steigen selbst ein in die Welt des Theaters. Die meisten von uns können sich an nur einen einzigen Theaterbesuch in ihrem Leben erinnern, der meist in der Grundschulzeit stattfand. Jetzt erfahren wir, wie Theater überhaupt funktioniert. Uns ist nicht klar, dass es für ein gutes Theaterstück nicht nur Schauspieler und einen Regisseur braucht, sondern ganz schön viele Theatermenschen in unterschiedlichen Berufen.

Unsere erste eigene „Arbeit“ beginnt damit, dass wir uns selbst in Szene setzen sollen. Gegenseitig! Nicht uns selbst! Gar nicht so leicht! Anja Geurtz gibt Tipps für Szenen und hilft bei der Umsetzung. Schließlich schaffen alle diese Übung und siehe da – es macht richtig Spaß! Vom „Vorstellungsgespräch“ über „Mädchenanmache“ und einem „lockeren Plausch in der Bar“ – tolle Situationen sind dabei, und unter uns Schülern zeigt sich sogar die eine oder andere Rampensau!

Unsere Lehrerin Samira Idries staunt: So hat sie viele von uns noch nie in Aktion gesehen. Auch der Schüchterne nutzt die Chance, mal eine andere Seite von sich auszuprobieren.

Danach beschäftigen wir uns mit Bonnie und Clyde. Wir lernen sie als zwei extrem brutale und skrupellose junge Menschen kennen. Sie gelten als DAS Gangsterpaar Amerikas, als sie im letzten Jahrhundert in den 30er Jahren ihren Beutezug starteten. Und wir sollen die jetzt darstellen? Wir werden zu Bonnie und Clyde, nennen uns Ursula und Werner, sind Jäger und Gejagte, Opfer und Mörder. Wie sich das anfühlt? Komisch und gut zugleich.

Wie im richtigen Leben

Beim mehrfachen Spielen verlieren wir Hemmungen – schließlich entsteht aus einzelnen Szenen eine neue Story von Bonnie und Clyde. Unsere Story. Jeder übernimmt seine Aufgabe im Spiel. Wie im richtigen Leben. Liebe und Loyalität, Flucht, Freiheit und Kriminalität. Dazu sollen wir eigene Dialoge erfinden und in den Szenen darstellen. Die „Open-Air-Bühne“ im Grünen Klassenzimmer unserer Schule bietet eine super Kulisse für die Szenendarstellungen. Auf dem Spielplatz wird das Balanciernetz zum Fluchtfahrzeug. Das liegende Laufrad bietet Möglichkeit, die Flucht nach einem rasanten Überfall darzustellen.

Einige Mitschüler offenbaren sich als Naturtalente. Ihr Gaunerpärchen Ursula und Werner spricht Öcher Slang. Das ist lustig! Schließlich ist auch die GRETA Produktion „Zwei wie Bonnie und Clyde…denn sie wissen nicht, wo sie sind!“ eine Komödie.

Theaterpädagogin Anja Geurtz freut sich. Über unser Interesse, unsere Aufmerksamkeit und unsere kreativen Einfälle beim selbst Ausprobieren. Durch unsere eigenen Versuche wird uns klar, dass Schauspielerei ganz schön schwer ist. Aber auch cool und lustig. Und alle lassen sich darauf ein!

Dann kommt der Probenbesuch. Beim „echten“ Stück führt Timo Hübsch die Regie. Er tut das in meinen Augen mit einer Leidenschaft, die ich so noch nie gesehen habe. Allerdings habe ich vorher auch noch nie einem Regisseur bei der Arbeit zugesehen. Die beiden Schauspieler Katrin Wolter und Stephen Appleton wirken auf uns sympathisch und offen. Nicht nur, wenn sie zwischendurch Witze machen, auch während des Spielens. Trotzdem sind sie voll bei der Sache. Auch nach der zehnten Wiederholung einer Szene haben sie immer noch Spaß an dem, was sie tun. Es muss eben alles sitzen. Wir bekommen eine Ahnung davon, was es bedeutet, ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Von der ersten Probe bis zur Premiere sind mehr Leute beteiligt als wir dachten und es ist ein ziemlich langer Weg. Ganz schön anstrengend. Aber auch ganz schön spannend zu sehen, wie so eine Szene entsteht.

Wir freuen uns auf den Premierenbesuch am 23. Oktober. Der gesamte neunte Jahrgang darf das Stück sehen. Doch nur unsere Klasse weiß mehr über das, was da in fünf Probenwochen entstanden ist. Theaterarbeit macht Spaß. Wir freuen uns „Zwei wie Bonnie und Clyde…“ bei der Premiere als Allererste sehen zu dürfen. Und vielleicht verirrt sich ja jemand von uns doch danach noch mal in einen Theatersaal…

Die Autoren sind Schüler der Klasse 9b am Rhein-Maas-Gymnasium Aachen.

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