Aachen - Lieber Deutsch lernen als Sport machen

Lieber Deutsch lernen als Sport machen

Von: Daniel Gatz, Mitglied der Schülerredaktion
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Diese Hauswand steht zwar nicht in unserer Region. Aber Willkommenskultur auf vielfältige Art leben und gestalten auch Jugendliche bei uns. Zwei Beispiele – vom Pius- und vom Anne-Frank-Gymnasium Aachen – stellen die Schülerredakteure heute vor. Foto: stock/Ralph Peters
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Noemi Borgmann(links) und Deborah Peters haben an ihrer Schule, dem Pius-Gymnasium in Aachen, eine Deutsch-AG gegründet, die jungen Flüchtlingen hilft schneller Deutsch zu lernen. Foto: Daniel Gatz

Aachen. Täglich kommen mehr Flüchtlinge nach Deutschland. Oft fehlt der Kontakt zu Menschen vor Ort. Deborah Peters (17) und Noemi Borgmann (18) haben ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem sie Flüchtlingen nicht nur die deutsche Sprache beibringen möchten, sondern aktiv etwas für Integration tun können. Wir fragten die beiden Schülerinnen des Pius-Gymnasiums Aachen, welche Erfahrungen sie im Umgang mit den jugendlichen Flüchtlingen gemacht haben.

 

Wie lange macht ihr das Projekt schon?

Deborah: Am Ende des vorigen Schuljahres haben wir spontan die Internationale Förderklasse (IFK) des Berufskollegs für Wirschaft und Verwaltung Lothringerstraße besucht und unsere Idee einer Kooperation vorgestellt. Das Interesse der IFK-Schüler war groß, und seit den Sommerferien besuchen wir jeden Mittwochnachmittag mit zehn weiteren Schülern aus unserer Stufe die Klasse in der Lothringerstraße.

Wie kam die Idee zustande?

Noemi: Bei unserer SV-Fahrt haben wir viel über das Thema Flüchtlinge diskutiert und darüber, ob es sinnvoll wäre, an unserer Schule eine Internationale Förderklasse einzurichten. Dann hatten wir die Idee, selbst aktiv zu werden und haben Kontakt zur Klassenlehrerin der IFK, Frau Pieper, aufgenommen. Kurz darauf haben wir die Klasse besucht und die Idee unserem Schulleiter vorgestellt.

Was genau macht ihr bei den Treffen?

Deborah: Primär geht es darum, dass die Flüchtlinge Kontakt mit Gleichaltrigen aus Deutschland haben. Wir wollen ihnen helfen, sich schneller in unsere Gesellschaft zu integrieren und Deutsch zu lernen. Die Gestaltung der Treffen ist sehr frei, meist versuchen wir, ihnen auf spielerische Art und Weise Deutsch beizubringen oder wir üben Grammatik. Über die Treffen hinaus machen wir Aktionen wie Schwimmen gehen oder ein Fußballspiel besuchen.

Welche Erfahrungen habt ihr bis jetzt im Umgang mit den Flüchtlingen gemacht?

Noemi: Am Anfang haben wir gemerkt, dass wir einander erstmal vertraut werden müssen. Als diese Phase überwunden war, fiel es allen viel leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei haben wir erfahren, welche schrecklichen Erlebnisse die Jugendlichen durchgemacht haben. Für uns war auch erstaunlich, dass die Schüler anstatt sportlicher Aktivitäten, die wir anfangs geplant hatten, lieber Deutsch lernen wollten.

Und für euch persönlich?

Noemi: Wir haben gelernt, unser eigenes Leben auf eine ganz andere Art wertzuschätzen.

Wie persönlich wird der Kontakt?

Deborah: Wie wichtig für sie der Kontakt ist, wurde uns bei der Abschiedsfeier eines Schülers, der von einer Familie in Waldfeucht aufgenommen worden ist, klar. Es war ein sehr trauriger Anlass, aber der Kontakt besteht weiterhin. Er hat uns auch zu seinem Geburtstag eingeladen.

Wie schätzt ihr die Zukunft dieser jungen Leute in Deutschland ein?

Noemi: Für die Schüler der Internationalen Förderklasse ist es ein großer Vorteil, dass sie zur Schule gehen und Deutsch lernen. Die meisten von ihnen sind registriert und wissen, dass sie hier bleiben dürfen. Für sie ist die Chance, eine Ausbildung beginnen zu können, wesentlich höher als für andere. Aber dennoch ist es wichtig, dass sie weiterhin unterstützt werden, um später alleine zurecht zu kommen. Die Zukunft derjenigen, die ihre Familie zurücklassen mussten, wird wahrscheinlich davon geprägt sein, sie zu finden und zu unterstützen.

Wie lange werdet ihr das Projekt noch machen?

Deborah: Wir machen Anfang nächsten Jahres unser Abitur und spätestens danach werden wir das Projekt nicht mehr leiten können, weil wir beide ins Ausland gehen wollen. Um einen fließenden Übergang zu schaffen, wird es im Dezember für die Schüler der Q1 ein „Schnuppertreffen“ geben, und ab Januar werden sie dann das Projekt übernehmen. Es ist sehr schade, dass wir das Projekt nach so kurzer Zeit schon abgeben müssen, denn gerade für die Flüchtlinge ist der kontinuierliche Kontakt wichtig.

Was nehmt ihr aus dieser gemeinsamen Zeit mit?

Noemi: Für uns war es eine ganz wichtige Erfahrung, das Projekt ins Leben gerufen zu haben. Wir hatten zuvor oftmals über die Flüchtlingskrise diskutiert, ohne überhaupt zu wissen, über wen wir eigentlich genau reden. Nun haben wir uns selber ein Bild von der Situation gemacht und können aus eigener Erfahrung sprechen. Außerdem hat uns das Projekt gezeigt, welch große Barriere Sprache sein kann und wie wichtig es ist, dass die Menschen aufeinander zugehen, um Integration zu ermöglichen.

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