Aachen - Lernen wir, digital zu denken?

Lernen wir, digital zu denken?

Von: Daniel Gatz, Schülerredaktion
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Wissen aus dem Internet: Das Tablet ergänzt oder ersetzt schon vielfach das Schulbuch. Ob das Lernen mit digitalen Medien den Unterricht aber nachhaltig verändert, hängt davon ab, welchen praktischen Nutzen – für ihre Noten – Schüler von den Lerninhalten haben. Foto: Westend61
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Praktisch ist nicht immer gleich digital: Matthias Bode, Lehrer am Aachener Pius-Gymnasium, erklärt den Umgang mit Lernplattformen.

Aachen. Deutsch und Philosophie sind seine Unterrichtsfächer, Wissen mit Hilfe digitaler Medien zu vermitteln ist sein Steckenpferd: Matthias Bode, Lehrer am Aachener Pius-Gymnasium, kennt sich aus im mittlerweile großen Angebot multimedialer Lernplattformen.

Er betreibt selbst eine Homepage, auf der Schüler Unterrichtsinhalte online nutzen können. Im Interview mit Zeitung + Schule erklärt er, was E-Learning den Schülern bringt und wo die Grenzen der digitalen Medien im Unterricht liegen. 

Wie würden Sie E-Learning definieren?

Bode: Im Grunde ist jedes digital vermittelte bzw. gestützte Lernen E-Learning: Lernplattformen wie Moodle, Web 2.0 mit Blogs, Wikis und Etherpads und natürlich klassische Lernprogramme, in denen zum Beispiel Unterrichtsinhalte wiederholt werden.

Wie setzen Sie E-Learning um?

Bode: Blogs, Wikis, Etherpad und Prezi habe ich vornehmlich eingesetzt- aber nach anfänglicher Euphorie hat das bei mir abgenommen. Im Moment konzentriere ich mich darauf, sehr intuitive Tafelbilder digital zu erstellen und online verfügbar zu machen. Es gibt einfach nicht den Rahmen, in dem man die Möglichkeiten eines Etherpads oder Wikis wirklich erproben kann. Wenn ein Kurs einen Artikel zur Willensfreiheit des Menschen geschrieben hat, kann ein anderer den erweitern, aber es ist dann nicht mehr das eigene Produkt. Überarbeitung und Kollaboration sind überhaupt für Schüler, die Noten bekommen und so immer sehr praktisch denken müssen, völlig neue Konzepte und Kompetenzen in der Schule, die in Arbeiten kaum geprüft werden können und so keinen unmittelbaren Nutzen haben.

Gibt es schon Erfahrungswerte, ob E-Learning tatsächlich Vorteile bringt, und ist das Fach abhängig?

Bode: Soweit das Lernen im Rahmen des Curriculums bleibt, verpuffen die Effekte sicherlich schnell. Eine Textanalyse bleibt ebenso Arbeit wie das Schreiben eines Wiki-Artikels, dazu muss man motiviert werden. Und das können digitale Medien sicherlich nicht dauerhaft, das ist Aufgabe des Lehrers.

Welche Gefahren sehen Sie?

Bode: Dass die Dinge als Selbstläufer verstanden werden – den Fehler habe ich auch gemacht und musste ernüchtert feststellen, dass der Einsatz klar an den Möglichkeiten des Mediums und den Erfordernissen der Schülerinnen, die Klausuren und Arbeiten schreiben müssen, ausgerichtet werden muss.

Könnte E-Learning das konventionelle Lernen irgendwann ablösen?

Bode: Sicherlich werden Geräte und Medien zunehmend ausgetauscht. Die Frage ist, ob das auch geistig gelingt. Sind wir in der Lage Schulbildung zu denken, wenn mit wikipedia unfassbar viel und vor allem dynamisches Wissen unmittelbar verfügbar ist, oder wenn gemeinsame, digital organisierte Projekte den Arbeitsalltag bestimmen?

Wie nehmen die Schüler E-Learning an?

Bode: Schüler denken in einem von Noten und Leistung bestimmten System sehr praktisch – wenn ich Archive mit allen Tafelbildern der Oberstufe anbiete, sind Schüler vor dem Abitur dankbar. Sehen sie den Sinn nicht, geht das schnell verloren. Das gilt auch für Lernprogramme wie bettermarks oder Elfe und Matthis.

Und wie wird darüber im Kollegium gesprochen?

Bode: Wie bei allen Veränderungen gibt es natürliche viele verschiedene Sichtweisen, Bedenken und Vorstellungen. Es geht ja nicht isoliert um E-Learning. Dahinter stehen Überzeugungen von gutem Unterricht, von der Lehrerrolle und persönliche Erfahrungen mit Schülern. Hier eine gemeinsame Linie zu finden, ist im Grunde genommen die permanente Aufgabe eines Kollegiums.

Nutzen eher ältere oder eher jüngere Lehrer E-Learning?

Bode: Das kann man nicht pauschalisieren. Mir fällt zum Beispiel auf, dass Referendare eher darauf verzichten, weil sie digitale Medien als zusätzlichen Aspekt von Unterricht begreifen und durch die vielen persönlichen Abhängigkeiten während der Ausbildung kaum eigene Aspekte in ihrem Unterricht setzen können. Einige ältere Kollegen probieren hingegen gerne einmal aus, was man damit machen kann.

Und Ihre persönliche Vorliebe den Unterricht zu gestalten: Mit E-Learning oder konventionell?

Bode: An einen gewissen Standard an Technik habe ich mich gewöhnt, mehr aber auch nicht.

In Amerika ist es teilweise so, dass Klassenarbeiten per E-mail verschickt werden und die Antworten auch per E-mail zurück gesendet werden. Könnten sie sich vorstellen, das auch bei uns so um zu setzen?

Bode: Nein. Eine Klassenarbeit zielt ja darauf, Kompetenzen an einem ganz bestimmten Punkt zu testen und eine Note zu vergeben. Das funktioniert per E-Mail nicht. Wenn ich etwas anderes prüfen will, kann ich gegebenenfalls E-Mails benutzen.

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