Erste Lichtblicke in einem Leben in der Warteschleife

Von: Cosima Ermert, Schülerredaktion
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Herzogenrath. Jeden Tag gibt es neue Nachrichten vom Flüchtlingsstrom. Bleiben sie oder nicht? Was für uns langsam zur Nebensächlichkeit wird, ist für die Menschen, die hier ankommen, harte Realität. Auch für die Geschwister Rinas, Malak und Frhad aus Syrien, Aleppo. Vor vier Monaten haben sie Deutschland mit ihren Eltern erreicht, seitdem warten sie auf die Aufnahmegenehmigung. Untergebracht wurden sie im Pfarrhaus der Kirchengemeinde Herzogenrath.

In Syrien ging es ihnen gut. Der 22-jährige Rinas hat einen Bachelor in BWL, er hat in einer Bank in der Türkei gearbeitet. Die 21-jährige Malak hat ihren Schulabschluss gemacht, der 17-jährige Frhad ging dort zur Schule. Dann kam der Krieg. „Alles, was wir hatten, ist zerstört“, sagt Rinas. Seine Eltern hatten ein Restaurant, es lief gut. Sie hatten ein großes Haus, jeder ein eigenes Zimmer, Computer, Freunde – ein Leben, wie es auch Jugendliche in Deutschland haben. Alles wurde zerbombt. „Lange Zeit haben wir ohne fließendes Wasser oder Strom gelebt.“

Über die Türkei konnten sie fliehen, weil Rinas dort eine Arbeitsstelle hatte. Den Großteil der Strecke gingen sie zu Fuß. Dabei nahmen sie nicht mehr mit als das, was sie an hatten, und Geld. Die Flucht nach Europa ist so teuer, dass viele Familien nur ihre Kinder auf den Weg schicken können.

In Deutschland lebten sie zuerst in einem Flüchtlingslager. „Das war eine harte Zeit“, sagt Rinas. Aber immerhin haben sie einander, alle fünf sind gesund in Deutschland angekommen. Verluste haben sie im Krieg trotzdem erfahren.

Hilfsbereite Menschen

Dann durften sie in ein Gemeinschaftshaus der Kirche in Herzogenrath umziehen. Ein Lichtblick, doch jetzt heißt, es auf die Aufnahmegenehmigung warten. Tun kann man nicht wirklich etwas . Es ist ein Leben in der Warteschleife. „Wir wollen uns hier einbringen. Deutschland ist ein gutes Land“, sagt Rinas. Sie seien freundlich aufgenommen worden, hilfsbereiten Menschen begegnet. Sie möchten hier ihre Ausbildung fortsetzen, ein Teil der Gesellschaft werden.

Den Einstieg dazu haben sie geschafft: Malak und Frhad gehen aufs Berufskolleg, Rinas will seinen Master machen. Ohne die Aufnahmegenehmigung geht das nicht. Um nicht tatenlos herumzusitzen, hat er sich für eine Online-Universität angemeldet. Und sie nutzen die Zeit, um Deutsch zu lernen. „Besonders schwer finde ich die Sprache nicht“, sagt Frhad und lacht. Er möchte Dolmetscher werden. Malak hat auch Zukunftspläne, sie möchte eine Ausbildung im Tourismusbereich machen. „Wir möchten gerne etwas beitragen, etwas zurückgeben“, erklärt Rinas. Er hat gemeinsam mit anderen Flüchtlingen das Gymnasium Herzogenrath besucht und den Schülern die Konflikte in Syrien zu erklären und von seinen Erfahrungen erzählt.

Im November haben sie eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus vom Staat bekommen. Vielleicht ist das die Möglichkeit, endlich neu anzufangen. Stück für Stück ein neues Leben aufbauen.

Die Angst, wieder gehen zu müssen, verschwindet dadurch nicht. Nach Syrien möchten sie nicht mehr zurück. „Wir haben dort nichts mehr“, sagt Rinas. „Selbst wenn der Krieg vorbei ist, bleiben die Gewalt und Brutalität in den Herzen der Menschen.“ Das sei keine Heimat mehr. Heimat sei in Frieden und Sicherheit sein Leben zu gestalten. Etwas ändern und mit Arbeit etwas erreichen zu können. Deutschland soll ihre neue Heimat werden, das ist ihr Traum.

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