Die Kiste mit packendem Inhalt

Von: Nicole Diefenthal
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„Digitales Klassenzimmer“ auf Zeit: Uta Steinel-Schrenk (links neben dem Flachbildschirm) hat ihren Wunsch für den Wettbewerbsausgang aufs Tablet geschrieben. Sechs Wochen lang haben sie, einige Kollegen und die Schüler mit der Samsung-Ausstattung gearbeitet. Foto: Nicole Diefenthal

Aachen. Es ist nicht bloß irgendein Satz, den sie noch schnell fürs Foto aufschreibt. Uta Steinel-Schrenk hängt an der silbergrauen Kiste, die ihren Unterricht am Inda-Gymnasium in Kornelimünster ein paar Wochen lang in den Ausnahmezustand versetzt hat.

„Digitale Bildung neu denken.“ So (oder kurz DBND) heißt die Initiative, die einen gleichnamigen Wettbewerb anbietet. Gefördert wird beides vom Elektronikhersteller Samsung, es geht dabei um den Einsatz von schultauglich ausgestatteten Tablet-Systemen im Unterricht. 80 Schulen in Deutschland hatten sich Anfang des Jahres um die Teilnahme beworben. Das Inda-Gymnasium hat als eine von 30 Schulen diese sogenannte Samsung School Solution erhalten. Sieben Wochen lang hatten Uta Steinel-Schrenk und ihre Schüler dann Zeit, um damit einen Wettbewerbsbeitrag zu erarbeiten. Aber das reichte der engagierten Lehrerin nicht.

Man muss kurz ausholen: Uta Steinel-Schrenk (62 Jahre) unterrichtet Sozialwissenschaften, Französisch und Evangelische Religion am Inda-Gymnasium. Lernen verstehe sie als lebenslangen Prozess, sagt sie ihren Schülern. Und sie lebt es vor. Im vorigen Wintersemester hat sie sich für ein Seminar Neue Medien beim Lehrerbildungszentrum der RWTH eingeschrieben. „Ich war die Oma-Studentin“, sagt Steinel-Schrenk und lacht. Einen Leistungsnachweis hat sie nicht bekommen, dafür ihr neu erworbenes Wissen direkt in Leistung umgesetzt und sich um die Teilnahme am Tablet-Wettbewerb beworben. „Eine so engagierte Lehrerin hatten wir noch nie dabei“, sagt dessen Koordinatorin Birgit Hackl, die nach Aachen gekommen war, um sich die Ergebnisse anzuschauen. Es begrüßt sie nicht nur der SoWi-Kurs, sondern fast die ganze Schule. Fünf weitere Klassen präsentieren selbst gedrehte Lehrfilme und sogar eine Stadtrallye. Uta Steinel-Schrenk präsentiert ein neues Team.

Maike Sube gehört dazu. Die Lehramtsstudentin hat das gleiche Seminar besucht wie Uta Steinel-Schrenk. „Wir lernen, welche Programme sich in die Fachdidaktiken einfügen. Das sind sozusagen die Werkzeuge, die wir vermittelt bekommen“, sagt sie. Um Praxiserfahrung zu sammeln, ist sie der „Oma-Studentin“ an deren Schule gefolgt und hat den SoWi-Kurs bei der Arbeit am Wettbewerbsbeitrag begleitet. „Wir haben einige technische Hürden überwinden müssen, aber jetzt wissen wir, wie es funktioniert. Es braucht Zeit, sich in ein neues System einzuarbeiten und Probleme dabei zu bewältigen. Ich finde es sinnvoll, wenn man das vor Beginn eines 25-Stunden-Unterrichtsalltags erledigt“, sagt die angehende Mathe- und Biolehrerin.

Schnell weckten die silbergraue Kiste und die begeisterungsfähige Kollegin das Interesse weiterer Lehrer. Und so begann eine Dynamik, die weder vorhersehbar noch vorgesehen war. Aber es müsste die Jury beeindrucken, dass das Inda-Gymnasium aus dem „digitalen Klassenzimmer“, wie es die DBND-Initiative bewirbt, fast eine digitale Schule gemacht hat. Letztlich nutzten 260 der 1250 Schüler die Tablet-Ausrüstung.

Virtuelles Wasser und dessen Verschwendung war das Kernthema des Wettbewerb. Die SoWi-Schüler haben dafür Statistiken erstellt, eine Radiosendung aufgezeichnet und Online-Konferenzen mit einer Partnerschule in Italien abgehalten. Ob auch der Film über den sezierten Fisch, das Erklärvideo zum Aufbau eines Elektromotors oder die Aachen-Rallye der Internationalen Klasse (siehe QR-Code) in die Wertung einfließen? Es bleibt abzuwarten.

Im September gibt die Jury den Sieger bekannt. Man greift dem Ergebnis nicht vor mit der Feststellung, dass das Inda-Gymnasium längst gewonnen hat. Die sechs Lehrer haben sich in der Zeit mit der Kiste zu einem Team entwickelt, dass weitermachen will. Uta Steinel-Schrenk sagt das so: „Ich sehe uns als Gruppe, die das Lernen mit digitalen Medien an unserer Schule voranbringen soll.“

Schulleiter Arthur Bierganz hat das Team begleitet und unterstützt. Er versteht sich selbst als Traditionalist und sagt: „Schule muss zeitgemäß unterrichten, das ja. Viel wichtiger als die Technik ist jedoch, dass der menschliche Aspekt zum Tragen kommt. Ich sehe in den Instrumenten des digitalen Lernens ein weiteres Lerninstrument neben Tafel, Kreide, Stift und Papier.“ Was klingt wie ein Gegensatz, ergänzt sich in Wirklichkeit, denn Schule war selten als Schnittstelle von Tradition und Fortschritt so gefordert wie heute. Bierganz ist daher am vorläufigen Ende zufrieden: „Der Wettbewerb hat die erhofften Impulse tatsächlich erbracht“, sagt er. Dazu zähle sowohl die Didaktik, die mit den neuen Medien zusammenhängen, als auch die Begeisterung seiner Kollegen.

„Wir wünschen uns die Samsung Tablet Kiste zu gewinnen.“ Uta Steinel-Schrenk schreibt diesen Satz nach der Präsentation der Wettbewerbsergebnisse auf das Lehrertablet, ihre Schrift erscheint sofort auf dem Flachbildschirm. Zuvor, in ihrer Ansprache an die DBND-Koordinatorin, hatte sie gesagt: „Es ist unsere Aufgabe, die Schüler in ihrer Lebenswelt abzuholen. Dazu gehört es, ein zeitgerechtes Lernambiente zu schaffen, in dem digitale Medien wesentlicher Bestandteil sind und nicht in Form eines PC-Raumes oder eines Klassenraum-PCs ein Nischendasein fristen.“ Ob das mit dem Hauptgewinn funktioniert, ist nicht vorhersehbar. Gewiss ist: Aus dem digitalen Klassenzimmer gibt es für das Inda-Gymnasium auch ohne die Kiste kein Zurück.

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