Aachen - Junge Flüchtlinge Iernen das Schwimmen in der historischen Elisabethhalle

Junge Flüchtlinge Iernen das Schwimmen in der historischen Elisabethhalle

Von: alba
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Als Nichtschwimmer nach Deutschland: Viele junge Flüchtlinge müssen erst lernen, sich im Wasser sicher zu fühlen. Foto: dpa

Aachen. Angst ist ein schlechter Ratgeber, so lautet ein geläufiger Ausspruch. Dass es vor dem buchstäblichen Sprung ins nicht zwingend kalte Wasser aber durchaus Furchtmomente zu meistern gibt, dürfte nahezu jedem bekannt sein, der das Schwimmen früher oder später im Leben gelernt hat.

Vor der schmucken Jugendstilkulisse der Aachener Elisabethhalle wagen auch viele Jung-Aachener – im doppelten Sinne – den Sprung. Und das Woche für Woche. Junge Geflüchtete, Kinder und Jugendliche, können hier unter professioneller Anleitung das Schwimmen lernen. Hinter dem Angebot steht der Verein Aix-la-Sports. Für die Arbeit ist der Verein und mit ihm seine ehrenamtlichen Trainer und Helfer jetzt mit dem Engagementpreis NRW 2016 des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales ausgezeichnet worden.

Seit 2015 ist der Verein mit seinem Engagement für Flüchtlinge präsent, „ mit unserem Angebot wurde eine Lücke geschlossen“, sagt Geschäftsführerin Christine Weber. „Die Stadt Aachen stand vor der Herausforderung, den Geflüchteten Angebote zu machen, darunter eben auch das Schwimmen lernen. Wir haben uns ungefähr zur gleichen Zeit überlegt, dass wir etwas in diesem Bereich machen wollen. Wir haben das Know-how, die Stadt hat die Basis, sprich: die Halle“. Das Angebot wird unter anderem mit Spendenmitteln von „Menschen helfen Menschen“, dem Hilfswerk des Zeitungsverlag Aachen, finanziert. Gemeinsam mit Prof. Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung und Vorsitzender des Hilfswerks „Menschen helfen Menschen“, hat die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen die Ergebnisse einer eigens in Auftrag gegebenen Studie zum Anlass genommen, um dringende Hilfsprojekte an Schulen finanziell zu fördern. Die Studie „Wir hier – Zukunft in Aachen“, umgesetzt vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), bildet die Lebenswirklichkeiten junger Menschen ab und zeigt gleichzeitig Bedarfsfelder auf.

In vier Kursen werden fortlaufend rund 60 unbegleitete Minderjährige unterrichtet – „spielerisch, aber zielführend“, betont Weber. „Vom Erfolg kann man sich einfach überzeugen. Drei Viertel können nach den 28 Übungseinheiten mindestens das Brustschwimmen.“ Die Webers tragen den Verein als „wasserjecke“ Familie, neben Christiane sind auch ihr Ehemann Rolf und Sohn Marco im Vorstand – und im Wasser aktiv. Zum Team gehören mittlerweile auch Menschen, die selbst als Flüchtlinge nach Aachen kamen. Einer von ihnen ist Obaida Ali. Der junge Mann konnte selbst kaum schwimmen, als er vor rund zwei Jahren nach Aachen kam – mittlerweile gehört er zum Trainerteam von Aix-la-Sports. „Wir waren oft unter uns“, sagt er über die ersten Wochen im tiefen Westen Deutschlands, die er vornehmlich in seiner damaligen Unterkunft verbrachte. „Das Angebot, schwimmen zu lernen, hat mir geholfen, anzukommen. Und mit der Sprache hat es dann immer besser funktioniert“, sagt Obaida Ali. „Ich habe viele Leute kennengelernt und Freunde gefunden. Es fühlt sich an wie Familie.“

Immer wieder hören sie solche und ähnliche Geschichten von den kleinen Wasserfreunden, sagt Marco Weber. Das Schwimmtraining geht also Integrationsmaßnahme durch, ohne dass Integrationskurs drauf steht“, glaubt er. Die Wirkung und den Effekt des Schwimmtrainings beschreibt der Mittzwanziger so: „Es geht hier um ein Gemeinschaftserlebnis. Es geht darum, Ängste zu überwinden.“ Schließlich hätten einige der jungen Geflüchteten einen Teil der gefährlichen Reise auf dem Meer verbracht, „es geht zunächst einmal darum, Vertrauen im Wasser zu fassen und ein gutes Gefühl dort zu bekommen.“

Ist das geschafft, ist bald das erste Ziel ist für die jungen Neu-Aachener in Sicht: Das Seepferdchen-Abzeichen winkt als Erfolgsnachweis, aber auch höhere Weihen sind keine Ausnahme: „Viele wollen noch besser werden“, berichtet Obaida Ali aus seiner Arbeit, sie erschwimmen sich das Bronze-Abzeichen – oder werden selbst Trainer, wie er.

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