Aachen - „Fundevogel“ hilft bei Defiziten im Unterricht

„Fundevogel“ hilft bei Defiziten im Unterricht

Von: Sina Stieding
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Engagiert für Kinder: (von links) „Fundevogel“-Vorsitzende Angelika Greiwe-Krapohl, Schulsozialarbeiterin Brigitte Brosius, Schüler Marcello, Schulleiter Thomas Weinen, der stellvertretende Vorsitzende Hans-Joachim Hofmann und Vorstandsmitglied Annemarie Sommer.

Aachen. „Fundevogel, verlässt du mich nicht, so verlass‘ ich dich nicht!“, heißt es im Märchen der Gebrüder Grimm. Auch in der Förderschule Elsassstraße ist der „Fundevogel“ ein täglicher Begleiter. Der Verein für Erziehungshilfe Aachen ist dort nämlich als Fundevogel bekannt.

In verschiedenen Projekten springt der Verein dort ein, wo die staatliche Förderung nicht ausreicht. Ob Reittherapie oder Psychomotoriktraining, der Fundevogel ist in der Elsassstraße nicht mehr wegzudenken.

„Kinder und ihre Familien brauchen immer vielfältigere Unterstützung und Zuwendung“, erzählt Thomas Weinen, Schulleiter der städtischen Förderschule für Kinder mit sozialen und emotionalen Schwierigkeiten in Aachen. Den Einsatz des Fundevogels will Weinen nicht mehr missen. „Kinder müssen heute früher lernen und brauchen mehr Aufmerksamkeit“, so Weinen. Nicht immer wird dabei jedes Kind seiner Schule ausreichend gefördert.

Eines der Projekte von Fundevogel, die Reittherapie, setzt genau an diesem Punkt an. Acht Kinder pro Jahr bekommen die Möglichkeit, ein Schulhalbjahr lang an einem solchen Angebot teilzunehmen. In den vier Grundschuljahren soll so jedes Kind die Chance erhalten, einmal von dem Programm zu profitieren. Angesagt sind neben Bewegung und Naturerlebnis das Lernen von Verantwortung und Geduld. Die Kinder pflegen, füttern und reiten die Tiere im Therapiezentrum in Stolberg. Bei der Reihenfolge sind Kompromissfähigkeit und selbstständige Kommunikation gefragt.

„Der Umgang mit dem Tier führt noch zu ganz anderen Erfahrungen für die Kinder“, erklärt Hans-Joachim Hofmann, ein langjähriges Vorstandsmitglied. „Diese sind im normalen Schulalltag nicht möglich.“

Farusa, eine Teilnehmerin des Projektes aus der 3. Klasse, freut sich, in diesem Halbjahr auch endlich aufzusatteln. Im letzten Halbjahr durfte sie sogar den CHIO besuchen. Farusa lernt sich so selber kennen, sie schöpft Mut, Selbstvertrauen und lernt, auf Tiere und andere Menschen einzugehen.

In einem weiteren Projekt arbeitet die Förderschule mit erfahrenen Moto- und Ergotherapeuten zusammen, die auf spielerische Art und Weise die Psychomotorik der Kinder verbessern. Das Halten eines Stiftes oder die Konzentrationsfähigkeit machen mitunter Probleme, denen sich die Therapeuten widmen. Die Kinder lernen, Sinne zu verbinden, gleichzeitig zu hören und zu fühlen, und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dies schafft die Basis für die Teilnehmer, sich auch sozial und emotional auf einen erfolgreichen Schulalltag vorzubereiten.

Angelika Greiwe-Krapohl sitzt seit vier Jahren dem Fundevogel vor. Nach ihrer Einschätzung kann der klassische Unterricht nicht ausreichend auf jedes Kind eingehen. Sie kämpft tatkräftig und beharrlich für neue Förderungsquellen – um das Psychomotorikprojekt auszuweiten und die Kosten der Reittherapie aufzubringen.

Schulleitung und Vorstand des Fundevogels sind sich einig, dass die Langzeiterfolge der Projekte unübersehbar sind. „Ein ehemaliger Teilnehmer litt unter Angst, das Haus zu verlassen. Heute macht er Handstand auf einem Pferd“, sagt Angelika Greiwe-Krapohl lachend.

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