Aachen - Wenn die Luft wegbleibt – moderne Diagnostik und Therapie bei COPD und Asthma

Wenn die Luft wegbleibt – moderne Diagnostik und Therapie bei COPD und Asthma

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Dreher Krings
Univ.-Prof. Dr. med. Michael Dreher, Leiter der Sektion Pneumologie der UniklinikRWTH Aachen und des Universitätsmedizinischen Pneumologischen Zentrums am Standort Franziskushospital Aachen, und Dr. med. Zvjezdana Krings, Oberärztin am Franziskushospital. Foto: RWTH

Aachen. Atem Atemnot, Husten und Auswurf sind die typischen Symptome einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), an der etwa sieben Millionen Menschen hierzulande leiden. Bei der Diagnose ist jedoch Augenmaß angebracht, denn auch Asthma kann ähnliche Symptome hervorrufen. Da beide Lungenerkrankungen unterschiedlich behandelt werden, ist eine eindeutige Diagnosestellung und individuelle Therapie sehr wichtig.

Univ.-Prof. Dr. med. Michael Dreher, Leiter der Sektion Pneumologieder UniklinikRWTH Aachen und des Universitätsmedizinischen Pneumologischen Zentrums am Standort Franziskushospital Aachen, und Dr. med. Zvjezdana Krings, Oberärztin am Franziskushospital, informierten im Rahmen der Gesundheitsreihe „Medizin im Dialog“ am 08.03.2016  im forum M der Mayerschen Buchhandlung über moderne Diagnostik und Therapie bei COPD und Asthma.

Frau Dr. Krings, was sind die Ursachen für COPD und Asthma?

Dr. Krings: Asthma ist häufig mit einer Allergie vergesellschaftet und beginnt oft schon im Kindesalter als Folge einer Überempfindlichkeit der Lunge auf bestimmte Reize. COPD ist in den meisten Fällen die Folge langjährigen Rauchens und beginnt in der Regel erst im späteren Erwachsenenalter. Bei COPD kommen aber auch andere Ursachen in Betracht, beispielsweise Feinstäube wie Ruß, Rauch und diverse Schadstoffe am Arbeitsplatz, zum Beispiel Quarzstaub.

Welche Symptome gehen mit den Erkrankungen einher?

Dr. Krings: Bei Asthma besteht die Atemnot meist nicht dauerhaft, sondern zeigt eine zeitliche Variabilität, wohingegen COPD-Patienten mit fortschreitender Erkrankung ihre Atemnot nahezu dauerhaft verspüren. Zu Beginn der COPD ist die Atemnot nur bei Belastung vorhanden, im weiteren Verlauf auch in Ruhe. Husten kommt bei beiden Erkrankungen vor und kann beim Asthma häufig das erste Zeichen eines drohenden Asthma-Anfalls sein.

Die Symptome ähneln sich sehr. Inwiefern unterscheiden sich die Erkrankungen denn?

Dr. Krings: Mit Blick auf die Symptome könnte man tatsächlich meinen, dass sich die Erkrankungen kaum unterscheiden und daher ähnlich behandelt werden. Asthma und COPD sind aber zwei völlig verschiedene Erkrankungen. Sie unterscheiden sich in Ursachen, Verlauf und Prognose, und sie erfordern trotz der ähnlichen Symptome jeweils andere Therapien. Daher ist eine Differenzialdiagnose besonders wichtig.

Wie können Sie die Erkrankungen diagnostizieren?

Dr. Krings: Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch, denn die Krankheits- und Lebensgeschichte unserer Patienten liefert uns erste wichtige Anhaltspunkte. Weitere Untersuchungen sind das Abhören von Lunge und Herz, ein Lungenfunktionstest, Blutuntersuchungen, Allergietests und gegebenenfalls eine radiologische Beurteilung. Die Lungenfunktionsdiagnostik stellt hier sicher eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden mit vielen diagnostischen Möglichkeiten dar. Bei der Bronchospasmolyse zum Beispiel wird bei Vorliegen einer akuten Obstruktion, also einer Verengung der Bronchien, ein bestimmter Arzneistoff inhaliert. Wenn sich die Bronchien komplett weiten, spricht das für ein Asthma. Bei einer COPD verbessert diese Methode die Werte nur begrenzt. Eine weitere wichtige Methode zur Diagnose eines Asthmas bei Patienten, die sich im beschwerdefreien Intervall vorstellen, ist der Provokationstest. Mithilfe eines Medikaments wird gegebenenfalls eine bronchiale Überempfindlichkeit provoziert. Bei Patienten mit Asthma kommt es dann zu einer Verengung der Bronchien, vor allem bei der Ausatmung.

Herr Prof. Dreher, wie können Sie Asthma behandeln?

Prof. Dreher: Beim allergischen Asthma stehen neben der medikamentösen Behandlung mit entzündungshemmenden und bronchienerweiternden Medikamenten eine Vermeidung von Allergenen und eine Schulung im Vordergrund. Neben der Meidung der auslösenden Stoffe ist die spezifische Immuntherapie eine wirksame Therapieform. Beim schweren Asthma treten individuelle Therapiekonzepte mehr und mehr in den Vordergrund. So wird die Antikörpertherapie beim schweren allergischen Asthma seit Jahren mit Erfolg durchgeführt. Neue Antikörper, die bereits zugelassen sind oder noch erforscht werden, machen es in Zukunft möglich, eine größere Zahl an Patienten mit unterschiedlichen Therapiekonzepten zu versorgen.

Und wie sieht die Therapie bei COPD aus?

Prof. Dreher: Neben der medikamentösen Therapie ist der Nikotinstopp zwingend erforderlich, da fortgeführter Nikotinkonsum zu einer weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion führt. Bei weit fortgeschrittener COPD kommen nicht-medikamentöse Behandlungsansätze wie Sauerstofflangzeittherapie oder außerklinische, nächtliche Maskenbeatmung und in seltenen Fällen Methoden zur Verkleinerung des Lungenvolumens zum Einsatz. Die Rehabilitation hat einen großen Stellenwert in der Therapie, denn hierdurch können gute Ergebnisse erzielt werden. Über die Rehabilitation hinaus wirkt sich eine regelmäßige Bewegung positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Sie sagten, Bewegung sei wichtig. Ist das nicht viel zu anstrengend, weil die Luft ohnehin fehlt?

Prof. Dreher: Das denken viele Patienten, doch das ist falsch. Gerade Patienten mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen profitieren ganz besonders von sportlichem Engagement. Sie können natürlich keinen Leistungssport machen. Bewegung ist aber wichtig, um Kraft und Ausdauer zu verbessern und damit die Atemnot und eine akute Verschlechterung der Erkrankung zu vermindern.

Welche Art von Bewegung empfehlen Sie Ihren Patienten?

Prof. Dreher: Jegliche Form der aktiven Bewegung ist förderlich und das Maß und die Art der Gestaltung hängt von dem Patienten, seinem Gesundheitszustand und der persönlichen Präferenz ab. Um Patienten professionelle Hilfestellung zu geben, bietenwir ab Mitte diesen Jahres eine Lungensportgruppe an. Die Treffen finden einmal wöchentlich in den Physiotherapieräumen der Uniklinik statt und werden von einer Fachübungsleiterin geleitet. Mit der Lungensportgruppe möchten wir dazu beitragen, die Lebensqualität von Lungenerkrankten zu verbessern und möglichen Einschränkungen aufgrund der Erkrankung entgegenzuwirken.

Was erwartet die Teilnehmer der Lungensportgruppe?

Prof. Dreher: Die Teilnehmer erwartet unter anderem ein abwechslungsreiches Ausdauer-, Koordinations- und Entspannungstraining. Auch Spiele in der Gruppe, medizinische Vorträge und Vermittlung von Methoden zur Stressbewältigung stehen auf dem Programm. Es entstehen keine Kosten für den Patienten.

Wie finden die Patienten zu Ihnen?

Prof. Dreher: Wir nehmen Patienten stationär zur Behandlung auf oder sehen sie in unseren verschiedenen Ambulanzen. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter www.franziskus-hospital.de und www.pneumologie.ukaachen.de.
 

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