Aachen - Was Man(n) wissen muss: Vorsorge, Diagnostik und Therapie bei Prostataerkrankungen

Was Man(n) wissen muss: Vorsorge, Diagnostik und Therapie bei Prostataerkrankungen

Letzte Aktualisierung:
Vögeli
Prof. Dr. med. Thomas-Alexander Vögeli, Direktor der Klinik für Urologie an der Uniklinik RWTH Aachen. Foto: RWTH

Aachen. Die Prostata fristet als Organ ein Schattendasein. Mann lernt sie erst näher kennen, wenn sie Probleme macht. Dabei hat sie ihm bis dahin wichtige Dienste geleistet: Bei der Familienplanung war sie nicht weniger wichtig als die Genitalien selbst. Erst wenn die typischen Beschwerden auftreten und das Wasserlassen regelrecht zur Qual wird, besuchen Männer einen Arzt. Vielleicht der wichtigste Grund dafür, seine Prostata nicht zu ignorieren, ist die Krebsgefahr, die von ihr ausgeht.

Die bösartige Form der Prostatavergrößerung ist der Prostatakrebs (Prostatakarzinom). Er ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin im Dialog“ informierte Prof. Dr. med. Thomas-Alexander Vögeli, Direktor der Klinik für Urologie an der Uniklinik RWTH Aachen, am 26.04.2016 um 18:00 Uhr im forum M umfassend über Vorsorge, Diagnostik und Therapie bei Prostataerkrankungen. Der Eintritt ist frei, für das leibliche Wohl und Erfrischung ist gesorgt.

Prof. Vögeli, was leistet dieses vergleichsweise kleine Organ?

Prof. Vögeli: Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist eine kastaniengroße Drüse, die unter der Blase liegt und die Harnröhre umschließt. Die Prostata liefert den größten Anteil am Volumen der Samenflüssigkeit. Ihr Sekret dient dabei als Art Nährlösung für Samenzellen und enthält alles, was diese auf ihrem beschwerlichen Weg zur Eizelle brauchen. Wenn das kleine Organ unauffällig seinen Dienst tut, ist kaum zu bemerken, wie groß sein Anteil am Fortpflanzungsgeschehen ist.

Welche Beschwerden können im Laufe der Zeit auftreten?

Prof. Vögeli: Im Laufe der Zeit verwandelt sich die Prostata bisweilen in eine „Urinbremse“. Hat sie bei jungen Männern etwa die Größe einer Walnuss, erreicht sie bei vielen 70-Jährigen eine Größe, die tägliche Schwierigkeiten verursacht. Die Größe des Organs wird zunehmend zum Problem, da sie die mitten durch sie hindurchführende Harnröhre immer weiter verengt. In der Folge wird der Harnstrahl immer schwächer. Den betroffenen Männern, die oftmals über große Schmerzen beim Wasserlassen klagen, bleibt dann nichts anderes übrig, als sich mehrmals täglich mithilfe eines Katheters zu erleichtern oder operieren zu lassen. Darüber hinaus ist der Stau in Prostata und Blase Quell ständiger Entzündungen, zum Beispiel einer Harnwegsinfektion.

Man hört auch immer wieder davon, dass ein Prostatakarzinom das häufigste Krebsleiden beim Mann sei.

Prof. Vögeli: Korrekt. Vielleicht der wichtigste Grund dafür, seine Prostata nicht zu ignorieren, ist die Krebsgefahr, die von ihr ausgeht. Die bösartige Form der Prostatavergrößerung ist der Prostatakrebs. Er ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern: Mehr als 64.000 Männer in Deutschland erkranken jährlich neu daran. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren; vor dem 50. Lebensjahr ist Prostatakrebs selten. Im Frühstadium der Erkrankung treten in der Regel keinerlei Beschwerden auf. Prostatakrebs kann eine folgenschwere Erkrankung sein. Doch je früher sie entdeckt wird, desto höher ist die Chance des Patienten, vollständig zu genesen.

Welche Vorsorgemöglichkeiten gibt es?

Prof. Vögeli: Eine viel diskutierte Methode ist der PSA-Test, ein Bluttest, der die PSA-Konzentration misst. Eine erhöhte PSA-Konzentration kann ein früher Hinweis auf Prostatakrebs sein. Dieser Wert ist mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Eine Erhöhung kann nämlich auch dann der Fall sein, wenn der Mann das ganze Wochenende Fahrrad gefahren ist. Es ist aber auch möglich, dass da ein Tumor wächst. Etwa drei von vier Männern mit erhöhtem PSA haben keinen Prostatakrebs. Aber: Je höher der PSA-Wert ist, desto wahrscheinlicher ist Krebs die Ursache. Bei einem Fünftel der Männer entwickelt sich der Prostatakrebs aber trotz eines normalen PSA-Spiegels.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es, wenn ein Tumor wirklich diagnostiziert worden ist?

Prof. Vögeli: Dann gilt es, eine Entscheidung über die richtige Therapie zu treffen. Vier Möglichkeiten der Behandlung stehen zur Verfügung: Operation, Bestrahlung, Hormongabe oder Abwarten. Letzteres klingt überraschend. Fakt ist, dass der Prostatakrebs in vielen Fällen ein langsam wachsender Krebs ist und sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass man ihn nicht in jedem Fall behandeln muss. Aktive Überwachung heißt dann die Maxime. Dafür gibt es klare Kriterien.

So muss bei der Biopsie festgestellt werden, dass der Tumor relativ gutartig ist. Und der PSA-Wert muss unter zehn liegen. Die Patienten werden dann engmaschig überwacht. Entscheidet sich der Patient für eine Behandlung, so steht in der Regel die Operation an erster Stelle. In rund 80 Prozent hat diese eine heilende Wirkung. Zwar ist bei einer Bestrahlung das Risiko von Nebenwirkungen geringer, kommt es jedoch später zu einer Neubildung des Tumors, ist eine Operation schwierig, weil das Gewebe durch die Bestrahlung stark beansprucht wird.

Wie verträglich sind diese Therapien?

Prof. Vögeli: Zu den möglichen Nebenwirkungen einer Prostata-Operation gehören Inkontinenz und Erektionsstörungen, die es zu vermeiden gilt. Darum sind behutsame, Nerven schonende Operationstechniken besonders wichtig. Entscheidend für diesen komplizierten Eingriff ist ein erfahrener Operateur. Minimal-invasive Eingriffe sind inzwischen auch bei einer Prostata-Operation möglich und verbreitet. Das heißt, es sind nur minimale Einschnitte in die Haut erforderlich. Mit endoskopischer Technik kann dann unter Zuhilfenahme vergrößernder Optiken operiert werden.

Das bedeutet meist weniger Schmerzen und eine schnellere Genesung sowie eine rasche Rückkehr in den beruflichen und sozialen Alltag. Grundsätzlich gilt: Jede Erkrankung und jeder Patient müssen einzeln betrachtet werden. Die Therapie des Prostatakarzinoms besteht aus vielen Facetten, sie sollte mit jedem Patienten immer individuell besprochen werden. Ich rate meinen Patienten außerdem zu einer gewissen kritischen Haltung. Das trifft sowohl auf Kliniken zu, die aus monetären Erwägungen besondere technische Leistungen und Lösungen anbieten, als auch auf Kollegen, die alternative Heilmethoden wie die Misteltherapie anbieten. Holen Sie sich in jedem Fall eine zweite Meinung und wägen Sie gemeinsam mit dem Fachmann die Alternativen ab.

Wie finden die Patienten zu Ihnen?

Prof. Vögeli: Wir bieten eine spezielle Prostatakarzinom-Sprechstunde an, in der wir unsere Patienten ausführlich beraten. Dazu gehört das Angebot, eine unverbindliche Zweitmeinung von unseren Experten einzuholen. Einen Termin für unsere Spezialsprechstunden erhalten Sie täglich von 09:00 – 12:00 Uhr unter der Telefonnummer 0241 80-85690. Weitere Infos finden Sie auf unserer Homepage unter www.urologie.ukaachen.de.

Sie schreiben unter dem Namen:

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert