Aachen - Vorsorge, Früherkennung und Therapie – was Frauen über Brustkrebs wissen sollten

Vorsorge, Früherkennung und Therapie – was Frauen über Brustkrebs wissen sollten

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Univ.-Prof. Dr. med. Elmar Stickeler, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen. Foto: RWTH

Aachen. Brustkrebs ist unverändert die häufigste Krebsart der Frau und trotz aller bisherigen Bemühungen um Früherkennung und Behandlung eine der häufigsten Krebs-Todesursachen. Den betroffenen Patientinnen die optimale Diagnostik, Behandlung und Beratung anzubieten, ist Ziel des interdisziplinären Brustzentrums Aachen- Stadt, das an die Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin der Uniklinik RWTH Aachen angegliedert ist.

Die Qualität des Brustzentrums ist durch die Deutsche Gesellschaft für Senologie und die Deutsche Krebsgesellschaft (im Rahmen des Krebszentrums „ECCA“ an der Uniklinik) und durch die Ärztekammer Nordrhein zertifiziert. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin im Dialog“ informierte Univ.-Prof. Dr. med. Elmar Stickeler, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, am 10.05.2016  im forum M umfassend über Vorsorge, Früherkennung und Therapie bei Brustkrebs.

Prof. Stickeler, wie viele Frauen in Deutschland sind von Brustkrebs betroffen?

Prof. Stickeler: Der Tumor in der Brustdrüse tritt etwa bei jeder achten bis zehnten Frau auf, das sind rund 70.000 Fälle pro Jahr, über 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Jüngere Frauen sind seltener betroffen, erst ab dem 40. und besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko.

Was ist die Ursache für Brustkrebs?

Prof. Stickeler: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Ursachen vielfältig sein können. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Risikofaktoren, die die Tumorbildung begünstigen. Da spielt zum einen die Vererbung eine Rolle. Wenn in einer Familie gehäuft Brust- und Eierstockkrebs auftreten, kann eine genetische Beratung Klarheit bringen. Hier arbeiten wir beispielsweise mit dem Institut für Humangenetik an der Uniklinik RWTH Aachen zusammen. Es gibt aber auch eine ganze Reihe an Faktoren, auf die man selbst Einfluss hat: Wer sich fettreich ernährt, kaum körperlich aktiv ist, raucht, viel Alkohol trinkt oder übergewichtig ist, der hat ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Je mehr dieser Faktoren zusammentreffen, desto höher das Risiko. Natürlich gibt es auch Frauen, auf die kein einziger Risikofaktor zutrifft und die trotzdem an Brustkrebs erkranken.

Im Internet oder in Frauenzeitschriften liest man, dass beispielsweise auch Deos oder zu enge BHs Krebs auslösen könnten. Stimmt das?

Prof. Stickeler: Diese Themen werden immer wieder diskutiert, aber es gibt dafür überhaupt keine wissenschaftlichen Beweise. Weder zu enge BHs noch das Tragen von Bügel-BHs oder auch Brustimplantate lösen Brustkrebs aus. Das Thema der aluminiumhaltigen Deos wurde letztes Jahr groß in der Presse diskutiert, aber der Beweis, dass Frauen deswegen an Brustkrebs erkranken, fehlt.

Stichwort „Früherkennung“: Wie ist die Bedeutung einer Früherkennung von Brustkrebs einzuschätzen?

Prof. Stickeler: Enorm hoch, denn eines muss man wissen: Brustkrebs ist in der Regel nicht die gefährlichste Krebsart bei Frauen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Erkrankungen heilbar. Darum plädiere ich dafür, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Insbesondere Frauen, die erblich vorbelastet sind und/oder von den vorhin genannten Risikofaktoren betroffen sind, sollten sich unbedingt regelmäßig untersuchen lassen.

Wie können Sie Brustkrebs diagnostizieren?

Prof. Stickeler: Zur Abklärung von Brusterkrankungen setzen wir in Kooperation mit der Klinik für Radiologie unter Leitung von Professorin Christiane Kuhl die neusten Untersuchungsmethoden wie digitale Mammographie, Mamma-Tomosynthese, 3D-Mammasonographie und Mamma-MR-Tomographie ein. Unklare oder verdächtige Befunde können ambulant mittels Gewebeprobeentnahme ohne Operation in örtlicher Betäubung weiter abgeklärt werden. Das geschieht je nach Befund mittels sonographisch gesteuerter Stanzbiopsie oder mittels mammographischer oder MR-tomographisch gesteuerter Vakuumbiopsie.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Prof. Stickeler: In unserer wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz, an der viele verschiedene Fachdisziplinen des Hauses teilnehmen, wird die Erkrankungssituation jeder Patientin diskutiert und ein individuelles Therapiekonzept entworfen. Um ein auch langfristig optimales Behandlungsergebnis zu erzielen, stellen wir für jede Patientin eine dem neuesten Kenntnisstand und den aktuellen Therapieleitlinien entsprechende Kombination aus Hormon-, Chemo-, Strahlen- und zielgerichteten Therapien zusammen. Viele Frauen benötigen heute übrigens überhaupt keine Chemotherapie. Die Nachsorge und Begleitung langjähriger Therapien erfolgt durch den betreuenden Frauenarzt.

Führen Sie auch Operationen durch?

Prof. Stickeler: Wir bieten unseren Patientinnen das gesamte operative Spektrum zur Behandlung gut- und bösartiger Brusterkrankungen an. Am häufigsten führen wir die brusterhaltende Operation mit Entfernung des axillären Wächterlymphknotens durch. Kosmetisch ansprechende Ergebnisse gemäß den Vorstellungen der jeweiligen Patientin erzielen wir zum Beispiel durch Einbeziehung brustverkleinernder und bruststraffender Operationstechniken.

Was ist, wenn die Brust nicht erhalten werden kann?

Prof. Stickeler: Das stellt für die Frauen natürlich immer eine besonders belastende und sehr eingreifende Maßnahme dar. Sollte eine vollständige Brustentfernung erforderlich sein, bieten wir einen Wiederaufbau der Brust an. Gemeinsam mit der Patientin besprechen wir ausführlich die Wiederherstellung des Körperbildes mittels Implantat oder Eigengewebe – immer unter Berücksichtigung ihrer Wünsche und der jeweils gegebenen Möglichkeiten. Wir können zum Beispiel oft die Brustwarze mit Warzenhof erhalten, was kosmetisch sehr günstig ist und dennoch absolut sicher. Abhängig von der Art der Operation erfolgt der Wiederaufbau in Kooperation mit der Klinik für Plastische Chirurgie in unserem Hause.

Kann man bei Ihnen auch eine zweite Meinung erfragen?

Prof. Stickeler: Selbstverständlich. Wir bieten unseren Patientinnen und ratsuchenden Frauen die Möglichkeit, sich bei uns eine Zweitmeinung zu Diagnostik, medikamentösen und operativen Therapieempfehlungen einzuholen.

Wie finden die Patientinnen zu Ihnen?

Prof. Stickeler: Wir betreuen unsere Patientinnen gerne in unserer täglich stattfindenden Brustsprechstunde. Eine Terminvergabe ist täglich von 08:00 bis 15:30 Uhr unter der Telefonnummer 0241 80-80701 möglich. Weitere Infos finden Interessierte außerdem unter: www.gynaekologie.ukaachen.de.

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