Aachen - Ursache von Schwindelattacken – wie kann man Stürze vermeiden?

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Ursache von Schwindelattacken – wie kann man Stürze vermeiden?

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Pape/Westhoven
Univ.-Prof. Dr. med. Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, und Univ.-Prof. Dr. med. Martin Westhofen, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde und Plastische Kopf- und Halschirurgie. Foto: RWTH

Aachen. Rund zehn Prozent der Stürze bei Menschen über 65 Jahren führen zu Frakturen an Hüfte, Armen und Wirbelkörpern oder zu Schenkelhalsbrüchen. In vielen Fällen erholen sich ältere Menschen nicht mehr vollständig und müssen dann in ein Pflegeheim eingewiesen werden. Oder eine bestehende Pflegebedürftigkeit verschlimmert sich, mit den entsprechenden Folgen für die Versorgung.

Häufig sind Schwindelattacken die Ursache für Stürze. Gerade im Alter nehmen Störungen im Gleichgewichtssystem deutlich zu. Im Interview erklären Univ.-Prof. Dr. med. Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, und Univ.-Prof. Dr. med. Martin Westhofen, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde und Plastische Kopf- und Halschirurgie, die Ursachen von Schwindelattacken und informieren über Möglichkeiten, Stürzen vorzubeugen.

Prof. Westhofen, mehr als jeder zehnte Patient klagt über Schwindelgefühle. Was sind die Ursachen?

Prof. Westhofen: Schwindelattacken sind immer ein Alarmzeichen des Gehirns. Sie zeigen, dass etwas in dem gesamten System, das unser Gleichgewicht steuert, gestört ist. Zu einer kurzfristigen Irritation kann es beispielsweise nach einer schnellen Karussellfahrt kommen. Es gibt aber verschiedene Erkrankungen im Innenohr – dort sitzt das Gleichgewichtsorgan – die die Funktion des Gleichgewichtssystems längerfristig beeinträchtigen. Nervenentzündungen, Gefäßprobleme, Herz-Kreislauf-Störungen und psychische Probleme können ebenfalls Schwindelattacken auslösen. Schwindel ist also keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom verschiedener Grunderkrankungen.

Wie entsteht Schwindel?

Prof. Westhofen: Es gibt dreiSinnessysteme, die unserem Gehirndie nötigen Informationenliefern, um das Gleichgewichtzu steuern. Das sind das Gleichgewichtsorganim Innenohr, dieAugen, die wahrnehmen, wo wiruns bewegen, und der Tast- undTiefensinn. Damit wir uns sicherim Raum bewegen können, müssenalle Teile des Gleichgewichtssystemsund das Gehirn gutmit Sauerstoff und Nährstoffenversorgt sein. Ist das nicht derFall, reagiert das Gleichgewichthöchst sensibel – mit Schwindelunterschiedlicher Ausprägung.

Wie äußern sich Schwindelattacken?

Prof. Westhofen: Jeder, der schon einmal eine Schwindelattacke hatte, kennt das Gefühl des Schwankens oder Drehens, zum Beispiel nach zu schnellem Aufstehen aus liegender oder sitzender Position. Im Normalfall vergeht dieser Schwindel wieder. Manchmal halten Schwindelzustände aber Tage und Monate durchgehend an, dann spricht man vom sogenannten Dauerschwindel. Der Anteil der Betroffenen steigt mit dem Alter an: Je älter die Patienten, desto häufiger tritt Schwindel auf. Stürze mit schwerwiegenden Folgen sind keine Seltenheit.

Prof. Pape, können Sie als Unfallchirurg das bestätigen?

Prof. Pape: Definitiv. Etwa ein Drittel aller über 65-Jährigen stürzt einmal im Jahr aufgrund von Schwindel. Viele der Betroffenen werden mit Frakturen an Hüfte, Armen oder Schulter bei uns eingeliefert. Darum sollte man rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen, wenn man unter Schwindelgefühlen leidet.

Prof. Westhofen, wie können Sie Schwindel diagnostizieren?

Prof. Westhofen: Kommt ein Patient mit Schwindelgefühlen zu uns, müssen wir die Ursachen dafür herausfinden. Darum führen wir mit ihm einige Tests durch, beispielsweise auf unserem sogenannten Schwindelstuhl. Dort bekommt der Patient eine Brille mit Kamera aufgesetzt, wird gedreht oder schaut sich Bilder an, die Schwindel erzeugen können. Anhand der Augenbewegungen können wir sehen, wie der Patient reagiert und daraufhin eine Diagnose stellen.

Und wie lässt sich Schwindel therapieren?

Prof. Westhofen: Beim gutartigen Lagerungsschwindel reicht eine tägliche Übung aus, um den Schwindel in den Griff zu bekommen. In anderen Fällen greifen wir auf eine medikamentöse Therapie oder eine OP zurück. Wir arbeiten hier mit hochmodernen Navigationstechniken, die die Organe im Innenohr millimetergenau erreichen und die Störung beheben können.

Prof. Pape, gibt es Möglichkeiten, Stürzen vorzubeugen?

Prof. Pape: Ja, beispielsweise mithilfe des Aachener Sturzpasses, den wir in Kooperation mit der Physiotherapie der Uniklinik, den Fachgesellschaften für Geriatrie und Unfallchirurgie und der AOK Rheinland/Hamburg entwickelt haben. Schon mit einfachen Trainingseinheiten lässt sich das Risiko zu fallen deutlich verringern.

Wie genau funktioniert der Aachener Sturzpass?

Prof. Pape: Der Sturzpass besteht aus zwei verschiedenen Selbsttests, die dazu dienen, das eigene Sturzrisiko besser einschätzen zu können. Die Tests sind einfach durchzuführen und sollten in einem Abstand von zwei bis drei Monaten wiederholt werden. So lässt sich überprüfen, ob es zwischenzeitlich eine Veränderung gegeben hat. Außerdem kann man mögliche Risikofaktoren wie Schwindel und hilfreiche Tipps zum Vermeiden von Stürzen nachlesen. Wir haben den Sturzpass im Taschenformat entwickelt, damit man ihn immer bei sich tragen und bei Bedarf etwas nachlesen kann.

Was raten Sie denjenigen, die eine Verschlechterung feststellen?

Prof. Pape: Wenn Betroffene eine Verschlechterung feststellen, sollten sie den Arzt aufsuchen. Die beiden Tests dienen nur der Selbstkontrolle, sie ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.

Wenn es doch einmal zum Sturz gekommen ist: Wie können Sie den Patienten in Ihrer Klinik helfen?

Prof. Pape: Nach einer umfassenden Diagnostik entscheiden wir gemeinsam mit dem Patienten, welche Therapie am besten geeignet ist. Die Wahl des Verfahrens ist immer abhängig von der Art und Schwere der Verletzung, der Beschaffenheit des Knochens und insbesondere auch von Alter, Mobilitätsgrad und individuellen Bedürfnissen des Patienten. Einige Knochenbrüche können wir konservativ behandeln. Offene Knochenbrüche, Verrenkungsfrakturen oder stark verschobene Brüche erfordern eine Operation. Im Anschluss an eine OP unterstützt unser Team der Physiotherapie bei der Rehabilitation, sowohl stationär unmittelbar nach der OP als auch ambulant.

Wie finden die Patienten zu Ihnen?

Prof. Westhofen: Für Patienten mit Schwindel bieten wir eine spezielle Sprechstunde an, zu der man sich unter der Nummer 0241 80-88416 anmelden kann.

Prof. Pape: Wer den Aachener Sturzpass haben möchte, kann ihn in den Geschäftsstellen der AOK oder bei uns in der Klinik anfordern beziehungsweise abholen.

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