Aachen - Rückenschmerz – wann ist eine Operation sinnvoll?

Rückenschmerz – wann ist eine Operation sinnvoll?

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Univ.-Prof. Dr. med. Hans Clusmann, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Univ.-Prof. Dr. med. Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie und Univ.-Prof. Dr. med. Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. Foto: RWTH

Aachen. Die moderne Medizin eröffnet dem Patienten mit Rückenbeschwerden eine Vielzahl von Möglichkeiten. Für den Laien ist die Wahl der richtigen Fachdisziplin oft schwer zu erkennen, denn Wirbelsäulenspezialisten arbeiten sowohl in den Kliniken für Neurochirurgie und Orthopädie als auch in der Klinik für Unfallchirurgie.

Umso besser ist es, wenn die Experten dieser drei Fachbereiche gemeinsam jeden einzelnen Patienten begutachten können. Dies ist im Interdisziplinären Wirbelsäulenzentrum der Uniklinik RWTH Aachen der Fall. Univ.-Prof. Dr. med. Hans Clusmann, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Univ.-Prof. Dr. med. Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, und Univ.-Prof. Dr. med. Markus Tingart, Direktor der Klinik für Orthopädie, bilden den Kern des gemeinsamen Zentrums. In enger Absprache entscheiden sie, welche Therapie die am besten geeignete für den Patienten ist. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin im Dialog“ am 27.10.2015 informierten die Professoren gemeinsam mit ihren Oberärzten über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Wirbelsäulenleiden.

Herr Prof. Tingart, was genau leistet die Wirbelsäule?

Prof. Tingart: Unsere Wirbelsäule übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben. In erster Linie trägt sie Kopf, Hals, Rumpf und Arme und erfüllt damit eine wichtige Haltefunktion. Zum anderen ermöglicht sie uns, dass wir uns in alle Richtungen bewegen können. Sie schützt aber auch unsere Nerven und unser Rückenmark. Wie wichtig die Wirbelsäule für unseren gesamten Bewegungsapparat ist, merken wir meist erst, wenn sie nicht mehr intakt ist.

Herr Prof. Tingart, was sind mögliche Ursachen für Rückenbeschwerden?

Prof. Tingart: Die Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig. Ein häufiger Grund ist die Fehlbelastung der Wirbelsäule durch sitzende Tätigkeit gepaart mit zu wenig Bewegung. Schmerzen an der Wirbelsäule lassen sich aber auch auf angeborene und entzündliche Erkrankungen zurückführen. Mögliche Erkrankungen sind Wirbelgleiten, Verkrümmungen, eine Enge des Spinalkanals oder ein Bandscheibenvorfall. In vielen Fällen sind die Schmerzen jedoch alters- und verschleißbedingt.

Herr Prof. Clusmann, welche Therapien kommen für angeborene und erworbene Wirbelsäulenleiden in
Betracht?

Prof. Clusmann: Das kommt immer auf die jeweilige Erkrankung an. In einigen Fällen verursachen Wirbelsäulenerkrankungen nicht nur Schmerzen, sondern beeinträchtigen auch neurologische Funktionen. Konkret kann sich das beispielsweise in Bewegungsstörungen oder einem Taubheitsgefühl äußern. Wenn möglich und angezeigt, bedienen wir uns konservativer Behandlungsmethoden, um das Fortschreiten der Erkrankung einzudämmen und die Symptome zu lindern, im Idealfall zu heilen. Dafür arbeiten wir hier auch mit anderen Bereichen des Hauses Hand in Hand.

Herr Prof. Clusmann, welche Abteilungen wären das?

Prof. Clusmann: Im Bereich der Diagnostik kooperieren wir eng mit der Neuroradiologie und der Radiologie, die dank bildgebender Verfahren Aufschluss über die zugrundeliegende Erkrankung geben. Bei der Therapie nimmt unsere Schmerzambulanz eine entscheidende Rolle ein, während wir nach einer OP eng mit unserer Physiotherapie kooperieren. Wir profitieren sehr davon, dass wir ein Haus der kurzen Wege sind, denn so können wir unseren Patienten ein umfassendes abgestuftes Behandlungskonzept von der ersten ambulanten Begegnung über einen möglichen stationären Aufenthalt mit Operation bis hin zur umfangreichen Nachsorge durch einen der spezialisierten Ärzte aus unserem Team anbieten.

Herr Prof. Pape, man hört häufig, dass zu viele Rücken-OPs durchgeführt werden. Sind diese wirklich sinnvoll?

Prof. Pape: Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Hier müssen wir zunächst klar zwischen akuten Notfällen, angeborenen und erworbenen Rückenleiden unterscheiden. In unserer Unfallchirurgie werden oft Personen mit Frakturen an der Wirbelsäule eingeliefert, bei denen eine OP zwingend notwendig ist – beispielsweise bei jüngeren Menschen nach einem Sportunfall oder bei älteren aufgrund eines Sturzes. Wird ein Wirbelkörper durch einen Sturz deformiert, kann es passieren, dass er auf die Nerven drückt oder das Rückenmark in Mitleidenschaft zieht. Hier kommt das Team um Prof. Clusmann aus der Neurochirurgie ins Spiel. Wir entscheiden dann gemeinsam, wie wir vorgehen. Bei angeborenen oder erworbenen Wirbelsäulenerkrankungen kommt erst dann eine OP in Betracht, wenn die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Jede Indikation zur OP wird nach strengen Kriterien überprüft. Das Wohl des Patienten steht bei unseren Entscheidungen immer im Mittelpunkt.

Herr Prof. Pape, wie finden die Patienten zu Ihnen?

Prof. Pape: Patienten können über unsere koordinierte Interdisziplinäre Wirbelsäulensprechstunde einen Termin vereinbaren: Klinik für Neurochirurgie (Tel.: 0241 80-88483), Klinik für Orthopädie (Tel.: 0241 80-89589) und Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie (Tel.: 0241 80-80644).

Weitere Infos finden Sie auf unserer Homepage unter www.wirbelsaeulenzentrum.ukaachen.de

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