Aachen - Personalisierte Medizin: durch individualisierte Behandlung punktgenau den Tumor angreifen

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Personalisierte Medizin: durch individualisierte Behandlung punktgenau den Tumor angreifen

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Brümmendorf
Univ.-Prof. Dr. med. Tim H. Brümmendorf, Leiter des Krebszentrums ECCA (Euregionales comprehensive Cancer Center Aachen) an der Uniklinik RWTH Aachen. Foto: RWTH

Aachen. Pro Jahr erkranken in Deutschland ca. 450.000 Menschen neu an Krebs. Krebs kann völlig unterschiedliche Ursachen haben, der Verlauf der Erkrankung variiert von Patient zu Patient stark. Die Personalisierte Krebsmedizin ist ein neuer wegweisender Ansatz bei der Behandlung dieser Krankheit.

Das Team um Univ.-Prof. Dr. med. Tim H. Brümmendorf, Leiter des Krebszentrums ECCA (Euregionales comprehensive Cancer Center Aachen) an der Uniklinik RWTH Aachen, bietet Patienten mit einer bösartigen Erkrankung eine fachübergreifende, interdisziplinäre und umfassende Versorgung. Die Einrichtung des Krebszentrums ist in dieser Form einzigartig in der Region. Beim Themenabend im Rahmen der Reihe „Medizin im Dialog“ am 18.08.2015 sprach Prof. Brümmendorf über moderne Therapieverfahren der Personalisierten Krebsmedizin.

Herr Prof. Brümmendorf, was genau versteht man unter dem Begriff „Personalisierte Krebsmedizin“?

Prof. Brümmendorf: Krebserkrankungen sind komplex und individuell verschieden. Personalisierte Krebsmedizin steht für individualisierte Behandlungen und Therapien, die gezielt den Bedürfnissen der einzelnen Patienten angepasst sind. Individuell insofern, als schon lange bekannt ist, dass gleiche Krankheiten bei verschiedenen Patienten sehr unterschiedlich verlaufen können. Das liegt zum einen daran, dass aufgrund ihrer molekularen Verschiedenartigkeit nicht alle Tumorerkrankungen gleich auf eine Therapie reagieren, andererseits aber auch nicht alle Patienten (z.B. wegen Begleiterkrankungen) für alle Therapieangebote geeignet sind bzw. diese annehmen möchten. Ziel der Personalisierten Krebsmedizin ist, dass jede Patientin und jeder Patient zu jedem Zeitpunkt die auf ihre/ seine Erkrankungssituation bestmöglich abgestimmte, molekular zielgerichtete Therapie erhält.

Bei welchen Krankheitsbildern werden solche molekular zielgerichteten Therapien bereits angewendet?

Prof. Brümmendorf: Bei einigen Formen des Blutkrebses gibt es diese Therapiemöglichkeit schon seit vielen Jahren. Die Verfahren für eine zielgenaue Krebstherapie kommen vor allem mit großem Erfolg bei einer bestimmten Form der Leukämie, der Chronischen Myeloischen Leukämie (CML), sowie bei einer bestimmten Sorte von Bindegewebstumoren zum Einsatz. Aufgrund dessen kann man sie sozusagen als Modellkrankheiten für die Personalisierte Krebsmedizin sehen.

Aber auch bei Untergruppen anderer Krebserkrankungen wie Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs), Brustkrebs, Darmkrebs oder Lungenkrebs sind die veränderten Signalwege der Krebszellen mittlerweile so gut bekannt, dass sie sich gezielt angreifen lassen. Umgekehrt ist es aber auch den Tumorzellen möglich, sich über andere Wege wieder bzw. weiter zu vermehren. Die Mechanismen, die solchen Resistenzen zugrunde liegen, sind bislang nur teilweise verstanden und überwindbar. An all diesen Themen wird zurzeit intensiv geforscht. Obwohl diese Krebsmedikamente zielgerichtet und erfolgreich wirken, lassen sich Tumorwachstum und –ausbreitung leider noch nicht in jedem Fall verhindern oder verzögern.

Wie sieht die Behandlung der Patienten im Krebszentrum aus?

Prof. Brümmendorf: Das Herzstück unseres Krebszentrums ECCA ist die Interdisziplinäre Tumorambulanz (ITA), die aus einer Anlaufstelle und einer ambulanten Therapieeinheit für Patienten mit Krebserkrankungen besteht. Hier treffen sie auf ein interdisziplinäres Ärzteteam, onkologisch geschulte Fachpflegekräfte sowie ein Team von Spezialisten unterschiedlicher Bereiche, die an der Versorgung von Patienten mit Krebserkrankungen beteiligt sind.

Das Besondere ist die gemeinsame interdisziplinäre Versorgung durch alle Fachabteilungen, die an der Diagnose und Therapie bösartiger Erkrankungen beteiligt sind. In der Ambulanz findet zunächst ein ausführliches Gespräch mit einem Facharzt statt, der eine Diagnose stellt. Im nächsten Schritt wird über die Therapie des Patienten in einer Konferenz mit allen an der Behandlung beteiligten Experten beraten. Im Anschluss teilen wir dem Patienten die verschiedenen Therapiemöglichkeiten mit und sie/er wird somit aktiv in die Entscheidung einbezogen.

Unmittelbar vor Ort verfügen wir zudem über Unterstützungsangebote wie psychoonkologische Betreuung, Ernährungsberatung, Zugang zum Informationsangebot der Selbsthilfegruppen und humangenetische Beratung für Angehörige. Angebote wie Spezialsprechstunden für seltene Tumorerkrankungen und dezidierte Patienten- und Angehörigenfortbildungen wie „leben mit krebs“ lebenmitkrebs-aachen.de bzw. Unterstützungsangebote für Familien krebskranker Eltern wie das Projekt „Brückenschlag“ brueckenschlag.ukaachen.de oder Präventionsangebote für Schüler wie Nichtrauchen-ist-cool Euregiosind ebenfalls Teil unseres Angebots.

Erst kürzlich wurde auch einespezielle Station für Stammzelltransplantation eröffnet. Was hat es damit auf sich?

Prof. Brümmendorf: Patienten mit Bluterkrankungen betreut unser Expertenteam auf unserer Interdisziplinären Station für Stammzelltransplantation (SZT1). Bei der allogenen Stammzelltransplantation wird das erkrankte Knochenmark durch Stammzellen sowie das Immunsystem eines gesunden Spenders ersetzt. Zusätzlich zum reinen Ersatz des erkrankten durch ein gesundes (Spender-)Knochenmark wird hierbei ein immunologischer Effekt wirksam, der sich bei bösartigen Erkrankungen idealerweise gegen die verursachende Grunderkrankung richtet. Mit der neuen Transplantationsstation haben wir die Therapieoptionen von Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen in unserem Zentrum entscheidend erweitert.

Was zeichnet das Krebszentrum Aachen aus?

Prof. Brümmendorf: Wir sind davon überzeugt: Wer Krebs erfolgreich behandeln möchte, muss interdisziplinär arbeiten und sich mit allen Partnern in der Region vernetzen. Unser ECCA wird von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) als bislang einziges Zentrum der Region als Onkologisches Zentrum anerkannt. Als Kooperationsverbund aller Kliniken und Institute der Uniklinik RWTH Aachen zertifiziert, stehen wir im engen Austausch mit anderen Kliniken und ambulanten Partnern und bieten Patienten eine fachübergreifende und umfassende Versorgung.

Die Entscheidungen der Konferenzen basieren auf Behandlungsleitlinien, die durch entsprechende Expertengruppen erstellt wurden.

Ein weiteres Interview mit Prof. Brümmendorf zum Thema finden Sie hier:

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