Aachen - Neurologische Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau

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Neurologische Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau

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Univ.-Prof. Dr. med. Jörg B. Schulz, Direktor der Klinik für Neurologie der Uniklinik RWTH Aachen. Foto: RWTH

Aachen. Univ.-Prof. Dr. med. Jörg B. Schulz, Direktor der Klinik für Neurologie der Uniklinik RWTH Aachen, versorgt mit seinem Team jährlich über 1.000 Schlaganfallpatienten auf der sogenannten Stroke Unit. Als erstes Krankenhaus der Region ist die Schlaganfalleinheit der Klinik für Neurologie vor Kurzem von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe als „Comprehensive Stroke Unit“ zertifiziert worden.

Die Zertifizierung bescheinigt erstklassige Qualitätsstandards in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Frührehabilitation. Als Kriterien werden die apparative und personelle Ausstattung, strukturelle Voraussetzungen sowie die Organisation herangezogen und beurteilt. Ein weiterer Schwerpunkt der Klinik für Neurologie liegt auf den neurodegenerativen Erkrankungen. Im Interview spricht Prof. Schulz über die Behandlungsmöglichkeiten seiner Klinik.

Herr Prof. Schulz, in Deutschland erleiden pro Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Wie lässt sich ein Schlaganfall diagnostizieren?

Prof. Schulz: Die Symptome bei einem Schlaganfall können sehr unterschiedlich sein. Neben Schwindel, Benommenheit, Taubheitsgefühl, Schluck-, Seh-, Sprach- und Sprachverständnisstörungen können auch plötzlich auftretende, heftige Kopfschmerzen oder ein spontaner Verlust der Muskelkraft bis hin zur vollständigen Lähmung von Gesichts- und Körperhälften Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Wichtig ist dabei zu betonen, dass jeder Schlaganfall ein Notfall ist. Da nur in den ersten Stunden nach Auftreten der Symptome eine Therapie möglich ist, muss der Betroffene umgehend in eine geeignete Klinik mit einer Stroke Unit gebracht werden.

Prof. Schulz, die Uniklinik RWTH Aachen verfügt über eine solche Stroke Unit. Wie genau sieht die Akutversorgung Ihrer Patienten aus?

Prof. Schulz: Im Bereich der Akutversorgung arbeiten wir sehr eng mit der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, der Klinik für Gefäßchirurgie und der Klinik für Neurochirurgie zusammen. Mein Kollege Professor Martin Wiesmann, Direktor der Klinik für Neuroradiologie, hat in den letzten Jahren ein neues Extraktionsverfahren für verschlossene Blutgefäße mitentwickelt. Er war einer der ersten in Deutschland, der dieses hochspezialisierte Verfahren mit hoher Expertise angewendet hat. Dabei dringt er mit einem Katheter von der Leiste aus bis in die Gefäße des Gehirns vor und findet dort gezielt die verstopfte Stelle.

Aus dem Katheter entfaltet sich ein Stent, eine Gefäßstütze aus Drahtgeflecht, die sich zu einer Röhre formt und zwischen Gerinnsel und Gefäßwand neuen Platz für den Blutfluss schafft. Den Stent kann man kurz danach wieder teilweise schließen und zusammen mit dem Gerinnsel herausziehen. Hilfe und Orientierung bieten ihm bildgebende Verfahren, die das Gehirn und die Gefäße auf einem Monitor sichtbar machen. Bei einigen Patienten kann die Behandlung nicht über die Leiste erfolgen, sondern nur über die Halsschlagader. Derzeit beherrschen etwa 120 Ärzte in Deutschland dieses Verfahren. Davon arbeiten fünf in der Klinik für Neuroradiologie der Uniklinik Aachen.

Prof. Schulz, kann diese Technik bei jedem Patienten angewendet werden?

Prof. Schulz: Der Eingriff kann nur dann vorgenommen werden, wenn der Patient schnell nach dem Schlaganfall in die Uniklinik kommt und die betroffenen Hirnareale noch zu retten sind. Schlaganfälle halten sich nicht an Dienstzeiten. Die Behandlungsmöglichkeit muss also stets gegeben sein, selbst bei zeitgleichem Eintreffen mehrerer Fälle. Wir sichern in der Uniklinik eine Versorgung rund um die Uhr, das heißt 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. In einigen Fällen profitieren die Patienten auch von einer gleichzeitig durchgeführten neurochirurgischen Operation (Kraniotomie) durch unser Expertenteam um Professor Hans Clusmann aus der Klinik für Neurochirurgie oder einer gefäßchirurgischen Operation durch Professor Michael Jacobs aus der Klinik für Gefäßchirurgie. Das wird von Fall zu Fall individuell entschieden.

Prof. Schulz, wie sieht die weitere Behandlung der Patienten auf der Stroke Unit aus?

Prof. Schulz: Nach der Akutversorgung beträgt der Aufenthalt auf der Stroke Unit in der Regel ein bis drei Tage. Im Anschluss erfolgt eine Weiterbehandlung auf der Frühreha- oder einer Pflegestation. Im Sinne einer umfassenden und optimalen Betreuung arbeiten wir eng mit den Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten zusammen.

Prof. Schulz, ein weiterer Schwerpunkt Ihrer Klinik liegt auf den neurodegenerativen Erkrankungen. Was genau versteht man darunter?

Prof. Schulz: Was für die anderen Organe des menschlichen Körpers gilt, trifft besonders auch auf das Gehirn und das Nervensystem zu, da sich deren Zellen nicht erneuern können: Mit zunehmendem Alter nimmt die Funktion ab. Wie bei anderen Organen gibt es auch beim Gehirn einerseits einen langsamen, altersbedingten Verlust von Zellen und Zellfunktionen, der ganz normal ist. Das Zellsterben kann aber auch krankhafte Ausmaße annehmen, wenn die Zahl der zugrundegehenden Nervenzellen so groß ist, dass das Gehirn das nicht mehr ausgleichen kann. In diesen Fällen sprechen wir von neurodegenerativen Erkrankungen. Dazu zählen beispielsweise Parkinson und Alzheimer.

Prof. Schulz, die Menschen werden zunehmend älter. Stellen neurodegenerative Erkrankungen eine medizinische Herausforderung dar?

Prof. Schulz: Ja, definitiv. Beispielsweise schätzen Experten die Zahl der Demenzkranken in Deutschland schon heute auf über eine Million. Obwohl Wissenschaftler bereits seit über 100 Jahren auf diesem Gebiet forschen, kennt die moderne Medizin bislang nur Therapien gegen die Symptome der Demenz und des Parkinson, aber nicht gegen die Ursachen.

Prof. Schulz, wie können Sie eine Demenz diagnostizieren?

Prof. Schulz: Demenz äußert sich frühzeitig durch unterschiedliche Symptome: Gedächtnislücken, Sprach- und Verständnisschwierigkeiten können erste Anzeichen sein. Wir setzen bei der ersten Feststellung von kognitiven Defiziten auf sogenannte Screeningtests, zum Beispiel den Montreal Cognitive Assessment-Test (MoCA-Test). Der MoCA-Test besteht aus Fragen und kleinen Aufgaben. Ist der Test auffällig, sollte eine ausführliche neurokognitive Testung durch einen Neuropsychologen erfolgen. Der Test muss unbedingt von einem Arzt durchgeführt und ausgewertet werden. Tests aus dem Internet haben keine Aussagekraft.

Prof. Schulz, kann man einer Demenz vorbeugen?

Prof. Schulz: Körperliche Bewegung, geistige Stimulation, ein abwechslungsreicher Lebensstil, eine gesunde Ernährung und die konsequente Behandlung eines Bluthochdrucks, einer Diabetes oder hoher Cholesterinwerte, können den demenziellen Prozess verlangsamen. Jeder ist aufgerufen, schon in jüngeren Jahren etwas gegen den Verfall seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu tun.

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