Aachen - Die stille Gefahr Darmkrebs: Entstehung – Vorbeugung – Behandlung

Die stille Gefahr Darmkrebs: Entstehung – Vorbeugung – Behandlung

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Prof. Dr. med. Tom Lüdde und PD Dr. med. Marcel Binnebösel. Foto: RWTH

Aachen. Jährlich erkranken etwa 65.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs, etwa 40 Prozent der Patienten sterben an diesem Tumor. Die Anzeichen für Darmkrebs sind oft nur sehr diskret. Ein Teil der Patienten wird erst dann auf ihre Krankheit aufmerksam, wenn sie bereits weit fortgeschritten ist.

Das Darmkrebszentrum an der Uniklinik RWTH Aachen unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Christian Trautwein und Univ.-Prof. Dr. med. Ulf Neumann ist Teil des überregionalen Krebszentrums ECCA (Euregionales comprehensive Cancer Center Aachen). Die Therapie gestaltet sich für jeden Patienten individuell und ist von der Lage und Größe des Tumors sowie von der Ausbreitung in andere Organe abhängig. Beim Themenabend im Rahmen der Reihe „Medizin im Dialog“ am 13.10.2015 sprachen die Koordinatoren des Darmkrebszentrums, Prof. Dr. med. Tom Lüdde und PD Dr. med. Marcel Binnebösel, über Entstehung, Vorbeugung und moderne Behandlungsmethoden bei Darmkrebs.

Herr Dr. Binnebösel, gibt es den einen Darmkrebs? Was genau versteht man darunter?

PD Dr. Binnebösel: Nein, es gibt unterschiedliche Formen von Darmkrebs. Wenn von Darmkrebs die Rede ist, sind damit in der Regel Krebserkrankungen des Dickdarms gemeint. Diese Krebsarten werden auch als kolorektales Karzinom bezeichnet. Es ist das zweithäufigste Krebsleiden in Deutschland, die Krankheit tritt überwiegend nach dem 50. Lebensjahr auf. Befindet sich das Karzinom im unteren Teil des Dickdarms, im Mastdarm, spricht man von einem Rektumkarzinom. Auch Dünndarm und After können von Krebs befallen sein, diese Krebsarten sind jedoch im Vergleich zum Dickdarmkrebs selten.

Herr Prof. Lüdde, was sind die Ursachen für ein kolorektales Karzinom?

Prof. Dr. Lüdde: Es gibt unterschiedliche Risikofaktoren, die für die Entstehung verantwortlich sind. Die Mehrzahl der Karzinome entwickelt sich aus Darmpolypen. Das sind gutartige Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die im Laufe der Zeit entarten können. Langjährige chronische Entzündungen der Darmschleimhaut – etwa Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn – sind weitere Risikofaktoren. Auch der Lebenswandel spielt eine wichtige Rolle:

Es gibt Hinweise, dass fettreiche und ballaststoffarme Kost, Bewegungsmangel, Übergewicht und langjähriger Alkohol- und Nikotinkonsum das Krankheitsrisiko erhöhen können. Bei etwa 15 Prozent der Patienten gibt es auch eine erbliche Komponente.

Herr Dr. Binnebösel, wie kann man Darmkrebs erkennen?

PD Dr. Binnebösel: Als Patient zunächst nur schwer, die Warnzeichen sind anfangs eher unscheinbar. Folgende Symptome sollten immer abgeklärt werden: Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, wie der Wechsel von Verstopfung und Durchfall, sind ohne eine Änderung der äußeren Lebensumstände erklärungsbedürftig. Dies gilt vor allem, wenn sie schleichend bei Personen im Alter von über 40 Jahren auftreten. Einige Erkrankte bekommen lang anhaltende Verstopfungen oder Durchfälle, bei anderen Personen treten diese Beschwerden wechselhaft auf. Ganz wichtig: Sichtbare oder unsichtbare Spuren von Blut im Stuhl müssen in jedem Fall ernst genommen werden. Im Verlauf können Müdigkeit, Appetitlosigkeit, ungewollte Gewichtsabnahme und Blutarmut (Anämie) dazukommen. Vor allem bei großen Tumoren, die den Darm stark einengen, kann es auch zu Schmerzen kommen.

Herr Prof. Lüdde, welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Prof. Dr. Lüdde: Die Therapie beim Darmkrebs gestaltet sich für jeden Patienten individuell nach Rücksprache mit allen Fachexperten im Krebszentrum der Uniklinik RWTH Aachen. Wir arbeiten interdisziplinär und können unseren Patientinnen und Patienten alle zugelassenen Therapieformen anbieten. In unseren regelmäßigen Tumorkonferenzen arbeiten Gastroenterologen, Pathologen, Radiologen, Viszeralchirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen und Nuklearmediziner Hand in Hand. Gemeinsam suchen wir für jeden Patienten die richtige Therapie. Im frühen Stadium kann der Tumor etwa mittels interventioneller Endoskopie abgetragen werden: Dabei werden neben der Kamera über die Arbeitskanäle des Endoskops sehr kleine Instrumente eingeführt, um zum Beispiel Gewebeproben zu entnehmen oder Krebsvorstufen zu behandeln. Diese Eingriffe belasten den Patienten deutlich weniger als eine große Operation.

Herr Dr. Binnebösel, welche Rolle spielen chirurgische Eingriffe?

PD Dr. Binnebösel: Das richtet sich vor allem danach, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Insbesondere im frühen Stadium von Darmkrebs können wir einen Tumor oft vollständig operativ entfernen und den Krebs somit heilen. Gleichzeitig kann der Arzt die Bauchhöhle gründlich untersuchen und gegebenenfalls sogar Tochtergeschwülste ausfindig machen und entfernen. Wann immer es möglich ist, führen wir Operationen bei Erkrankungen des Kolons und Rektums laparoskopisch, also mittels Schlüssellochtechniken, durch.

Durch den Einsatz modernster operativer Techniken mit speziellen Klammernahtgeräten und der Option der intraoperativen Bestrahlung gelingt es uns häufig, auch sehr tief sitzende Tumoren radikal zu entfernen, ohne einen definitiven künstlichen Darmausgang anlegen zu müssen. Je nach Behandlungsumständen kommen neben einer systemischen Chemotherapie verschiedene radiologische Verfahren wie die Radiofrequenzablation (RFA), die transarterielle Chemoembolisation (TACE) oder die selektive interne Radiotherapie (SIRT) zum Einsatz. Aber auch Tumoren in fortgeschrittenen Stadien und Tumoren mit Tochtergeschwülsten, zum Beispiel im Bauchfell oder in der Leber, können durch eine sehr intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit erfolgreich behandelt werden.

Herr Prof. Lüdde, wie kann ich mich im Vorfeld vor dieser Erkrankung schützen?

Prof. Dr. Lüdde: Hier gilt: Nutzen Sie die Möglichkeit der Vorsorge! Darmkrebs entwickelt sich meist aus einer harmlosen Vorstufe, den Darmpolypen. Werden diese rechtzeitig entfernt, kann die Entstehung von Darmkrebs oft erfolgreich vermieden werden. Durch eine Darmspiegelung werden Polypen, die in der Regel keinerlei Beschwerden verursachen, sicher erkannt und können schon während der Untersuchung entfernt werden. Für alle Versicherten ab 55 Jahre übernehmen daher in Deutschland die Krankenkassen alle zehn Jahre die Kosten für eine Vorsorgekoloskopie. Eine Vorsorge mittels Tastuntersuchung und Untersuchung des Stuhls mittels Teststreifen wird bereits ab 50 Jahren empfohlen und auch erstattet.

Wie finden die Patienten zu Ihnen?

Prof. Dr. Lüdde: Unsere Klinik bietet neben einer allgemeinen Sprechstunde für Magen-Darm-Erkrankungen verschiedene Spezialsprechstunden an, unter anderem für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, oder für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren. Man kann uns am besten über die Telefonnummer 0241 80-80864 erreichen.

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