Aachen - Adipositas: Übergewicht nachhaltig in den Griff bekommen

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Adipositas: Übergewicht nachhaltig in den Griff bekommen

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Dr. med. Florian Ulmer, Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie in der Uniklinik RWTH Aachen und Spezialist bei der chirurgischen Behandlung adipöser Patienten. Foto: RWTH

Aachen. Die Zahlen sind alarmierend: Rund drei Viertel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig, ein Viertel der Erwachsenen gelten sogar als stark übergewichtig. Viele haben oft schon einen langen Weg mit zahlreichen unwirksamen Diätversuchen hinter sich. Adipositas (Fettleibigkeit) muss aber kein unüberwindbares Schicksal sein.

Für viele Patienten ist eine Operation die Chance, ihr Übergewicht dauerhaft zu reduzieren. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin im Dialog“ am 03.11.2015 um 18:00 Uhr im forum M informieren Dr. med. Florian Ulmer, Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie in der Uniklinik RWTH Aachen und Spezialist bei der chirurgischen Behandlung adipöser Patienten, sowie Birgit Tollkühn-Prott, Ernährungsberaterin in der Uniklinik RWTH Aachen, gemeinsam über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von starkem Übergewicht.

Herr Dr. Ulmer, ab wann spricht man von Adipositas?

Dr. med. Ulmer: Ab einem BMI (Body-Mass-Index) von 30 spricht man von Adipositas. Das ist eine chronische Erkrankung, bei der sich so viel überschüssiges Körperfett angesammelt hat, dass die Gesundheit geschädigt wird. Mit steigendem Übergewicht ist häufig auch eine Zunahme anderer Erkrankungen wie Bluthochdruck, Anstieg der Blutfettwerte, Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule und den großen Gelenken sowie des Risikos einer Blutzuckerentstehung verbunden.

Herr Dr. Ulmer, wie können Sie den Patienten helfen?

Dr. med. Ulmer: Wir bieten verschiedene minimal-invasive Verfahren an (zum Beispiel Schlauchmagen, Magenbypass), um adipösen Patienten durch einen chirurgischen Eingriff bei der Gewichtsreduktion zu helfen. Jeder Operation geht eine sechsmonatige Ernährungsberatung und Bewegungstherapie voraus, die Ärzte und speziell geschulte Ernährungsberater begleiten.

Bei den chirurgischen Verfahren zur Adipositastherapie wird zwischen restriktiven und malabsorptiven sowie gemischten Verfahren unterschieden. Während ersteres eine Reduzierung des Magenvolumens bedeutet, die zu einem schnelleren Sättigungsgefühl führen soll, beinhaltet das malabsorptive Verfahren eine Verminderung der Aufnahmefläche im Dünndarm. Neben den operativen Maßnahmen bieten wir für unsere Patienten mittlerweile Gruppen zur Ernährungstherapie und bald auch eine Bewegungstherapie an. Die Teilnahme daran ist kostenlos.

Herr Dr. Ulmer, was sind die besonderen Herausforderungen?

Dr. med. Ulmer: Die heutigen Lebensbedingungen mit einer kalorienreichen Ernährung und Mangel an Bewegung, aber auch Stoffwechselkrankheiten, seelische Befindlichkeiten und genetische Faktoren haben häufig eine krankhafte Fettleibigkeit zur Folge. Oft haben Adipositas-Patienten einen langen Leidensweg mit vielen erfolglosen Diäten hinter sich. Nicht wenige ziehen sich aus dem aktiven Leben zurück. Daher sind menschliche Zuwendung sowie Pflegeintensität wichtige Faktoren, die uns besonders am Herzen liegen. Auf diese Anforderungen müssen wir uns einstellen, auch in Bezug auf die klinische Ausstattung.

Herr Dr. Ulmer, was muss Ihre Klinik konkret tun?

Dr. med. Ulmer: Hier sind wir bereits tätig geworden. Vieles muss in Größe XXL vorhanden sein, zum Beispiel OP-Hemden, Blutdruckmanschetten, Rollstühle, WC-Stühle oder ähnliches. Besondere Unterstützung bieten wir nun durch den neuen Umbau mehrerer Zimmer, die eben diesen speziellen Bedürfnissen stark übergewichtiger Patienten entsprechen. Neben angepasstem Mobiliar bieten die Einzelzimmer Raum und Privatsphäre, um eine bestmögliche Behandlung zu garantieren. Darüber hinaus wird das Pflegepersonal regelmäßig geschult, um den besonderen Ansprüchen im Umgang mit adipösen Patienten gerecht zu werden.

Herr Dr. Ulmer, wie finden die Patienten zu Ihnen?

Dr. med. Ulmer: Wir bieten jeden Montag ab 14:00 Uhr eine spezielle Sprechstunde in unserer Poliklinik an (Tel.: 0241 80-89332).

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