Aktion für krebskranke Kinder: Zöpfe opfern für den guten Zweck

Von: Mirja Ibsen
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Aus Zopf wird Zöpfchen: Trainer Markus Sodekamp wird am 1. Mai beim Haarspendetag des TuS Jahn nicht selbst zur Schere greifen. Das überlässt er Profis. Fast alle seiner Spielerinnen wollen Haare zugunsten der Kinderkrebsstiftung spenden. Foto: mib
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Keine Angst vor scharfen Scheren: Die C-Juniorinnen des TuS Jahn Hilfarth spenden ihre Haare für Echthaarperücken. Foto: mib

Hückelhoven-Hilfarth. Waschen, kämmen, föhnen, dafür braucht Ivonne Strazar heute noch 20 Minuten. Noch. Seit der siebten Klasse lässt sie ihre Haare wachsen. Sie fallen der 15-Jährigen inzwischen weit über die Schulter herab. Fürs Fußballtraining beim TuS Jahn Hilfarth bindet die 15-Jährige sie zu einem langen Zopf, Haarband rein, fertig.

Ihre Zwillingsschwester Jasmin macht es genauso. Ab dem 2. Mai werden die beiden jede Menge Zeit sparen, denn dann werden ihre Mähnen 25 Zentimeter kürzer sein. Die jungen Fußballerinnen werden ihre Haare spenden, damit daraus Echthaarperücken gemacht werden können. Eine Aktion für krebskranke Kinder.

Die Idee stammt von Trainer Markus Sodekamp. Er hatte eine Sendung darüber gesehen, wie man mit Haaren Gutes tun kann, wenn die, die viel haben, denen geben, die wenig haben. Seitdem reifte in ihm eine Idee. Drei Jahre trainierte er die weibliche C-Jugend des TuS Jahn Hilfarth ziemlich erfolgreich, nur die Mädchen und ihre Haare, das war immer so eine Sache.

Mal waren sie nicht ordentlich weggebunden, mal spielten die Mädchen mit ihren Locken statt mit dem Ball. „Wenn ihr kürzere Haare hättet, würdet ihr auch besser Fußball spielen“, sagte er. Halb im Ernst, halb im Scherz. „Das war nur so ein Spruch. Irgendwie muss man sie ja aus der Reserve locken.“ Er grinst. Es hat gewirkt. Schon zehn seiner Spielerinnen machen mit. Aus der Idee ist inzwischen eine richtig große Aktion geworden.

Seitdem auch die Eltern im vergangenen November das Okay gegeben haben, organisiert das Team um Trainer Markus Sodekamp und Co-Trainer Holger Herling aufwendig den Haarschneideevent am Montag, 1. Mai, ab 11 Uhr auf dem Sportplatz an der Callstraße in Hilfarth. Alle Bundesligisten der ersten und zweiten Liga hat er angeschrieben, Sponsoren gesucht, Tombolapreise gesammelt, engagierte Friseure gefunden. Es soll schließlich richtig viel zusammenkommen für die Kinderkrebsstiftung.

Der Mut und die Hilfsbereitschaft der Mädchen beeindrucken, deshalb hat das Frauenbundesliga-Team des SGS Essen nicht nur Karten für die Tombola gespendet, sondern gleich die ganze Mannschaft eingeladen, bei einem Spiel dabei zu sein, das Korbmachermuseum, das sich sonst selbst über Spenden freut, stellt zwei handgemachte Weidenkörbe zur Verfügung, und Bürgermeister Bernd Jansen bringt Biber Rudi mit. Dass auch das Haus Sodekamp-Dohmen, die Gaststätte Windeln, die Gaststätte Jägerhof sowie die Bäckerei Sieberichs mitmachen, möchte Markus Sodekamp unbedingt erwähnen, ebenso wie die Tatsache, dass 80 Ehrenamtler dafür sorgen, dass am 1. Mai alles läuft.

Einen Pony möchte Jasmin Strazar nach der Haarschneideaktion auf keinen Fall haben, „vielleicht ein paar Stufen. Einen Zopf kann ich mir danach aber immer noch machen.“ Kurze Haare wird keines der Mädchen haben. Mindestens 25 Zentimeter müssen die Friseure abschneiden, damit sie lang genug für eine Perücke sind. Die Haare der Mädchen sind aber viel länger. Marina Viehmanns Haare sind mit mehr als 48 Zentimetern die längsten und die ihrer Teamkollegin Marie Deckers sind nur wenig kürzer, dafür aber gelockt. Die meisten haben wegen der Aktion in den vergangenen Monaten einen großen Bogen um Friseure gemacht. Nur Annika Reitingers Haare sind zu kurz. Sie macht nicht mit, obwohl die 15-Jährige die Aktion „cool“ findet.

Ob sie danach besser Fußball spielen? Jasmin Strazar zuckt mit den Schultern. Stadtmeister, Hallenmeister, Kreismeister, Hallenkreismeister und Kreispokalsieger waren sie schon. „Wir lassen uns die Haare abschneiden, um den Kindern zu helfen“, sagt die 15-Jährige und lacht. Um Bezirksliga spielen zu können, gesteht Trainer Sodekamp, bräuchte das Team noch vier bis fünf weitere Spielerinnen, „das wäre optimal“ – egal ob mit oder ohne Zopf.

Markus Sodekamp wird am Ende des Tages jedenfalls ganz oben ohne dastehen. Schließlich hat er seinen Spielerinnen versprochen: „Wenn Ihr Eure Haare abschneiden lasst, dann dürft Ihr mir eine Glatze schneiden.“

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