„Aachen Sozial“: Mutter und zwei Töchter lösen die Männerriege ab

Von: Manfred Kutsch
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Mit Gisela Kohl-Vogel, Ursula Kohl und Margit Kohl-Woitschik (vorne, von links) lösen gleich drei Frauen die Männerriege als Träger des „Aachen Sozial“-Preises ab. Lothar Friedrich, Gabriela Mohné und Dr. Hans Röllinger (hinten, von links) haben sich als Vorstand der Aachener Familienunternehmer für die drei Unternehmerinnen entschieden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Seit zehn Jahren wird die renommierte Auszeichnung der Familienunternehmer „Aachen Sozial“ verliehen – bislang nur an Männer. Doch das ändert sich, und wie: Das Gremium rund um Vorsitzende Gabriele Mohné ehrt in diesem Jahr nicht eine, sondern gleich drei Frauen mit dem Sozialpreis.

Eine stolze Mutter nebst beiden Töchtern: Ursula Kohl mit Margit Kohl-Woitschik und Gisela Kohl-Vogel, Inhaberinnen von Kohl-Automobile und Chefinnen von 550 Mitarbeitern, darunter 100 Auszubildenden.

„Wir sind sehr glücklich darüber, nicht nur drei erfolgreiche Unternehmerinnen auszuzeichnen, sondern auch Frauen, die weder die Bedeutung von Familienleben vergessen haben noch die Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns“, betonte Mohné bei der gestrigen Vorstellung der neuen Preisträger.

Alle drei traten 1997 nach dem frühen Tod des Betriebsgründers Willi Kohl nicht nur das unternehmerische, sondern auch das soziale Erbe des Ehemannes und Vaters an: „Über meinen Mann hat mal jemand gesagt: Der hatte Jesuslatschen an“, erinnert sich Ursula Kohl. Er habe zur Maxime seiner Arbeit nicht nur „betrieblichen Erfolg“ sondern auch „Hilfe als Selbstverständnis“ ausgerufen.

Bemerkenswert: BMW-Kohl legte sich in seiner bislang 49-jährigen Firmengeschichte nie ein soziales Marketing zu, mit dem es sein Firmenprofil in der Öffentlichkeit schärfen wollte. Man habe „kein Lieblingsprojekt“, sagen die Damen, dafür jedoch zielen ihre humanitären Aktivitäten in viele Richtungen.

„Sehr vielfältig“ sei ihr Engagement, bestätigt der Vorstand: Mutter Ursula Kohl ist Mitglied des Kuratoriums des Marienhospitals, Gisela Kohl-Vogel Vorsitzende der Stiftung Lebenshilfe, derweil zeichnet Margit Kohl-Woitschik für den Ausbau der innerbetrieblichen Gesundheitsvorsorge verantwortlich. Alle zusammen unterstützen großzügig die Vereine ihrer Brander und Eilendorfer Heimat, auch die Pfarre St. Donatus ist ein Förderschwerpunkt. Ungezählt sind die privaten Hilfen für Menschen in Not, „die wir zum Teil über andere Organisationen abwickeln“, so Gisela Kohl-Vogel.

„Wir haben es nicht so gerne, wenn alles offiziell wird“, sagt das Trio unisono. Selbst zur Annahme des Preises habe man sie regelrecht überreden und überzeugen müssen, verrät Gabriele Mohné.

Die Ehemänner der Schwestern Arnd Woitschik und Rainer Vogel sind Mitglieder der Geschäftsführung und mit ihren Frauen stolze Eltern von drei Kindern. Das Ehepaar Kohl-Woitschik hat den 13-jährigen Sohn Ben, Kohl-Vogel brachte es auf zwei 13-jährige Zwillinge: Lucy und Luca. „Meine Zwillings-Schwangerschaft hat in mir viele Fragen über den Gesundheitszustand meiner Kinder aufgeworfen, die dann kerngesund zur Welt kamen“, berichtet die jüngere Schwester Gisela über ihren Antrieb, in der Lebenshilfe aktiv zu werden.

Nur beim Stichwort „Familienleben“ weichen beide Kohl-Töchter von der Maxime des Vaters ab: „Er war ja fast ausschließlich im Betrieb. Das möchten wir anders handhaben, denn ohne eine stabile private Basis kann man keinen dauerhaften unternehmerischen Erfolg erzielen.“

Bleibt die Frage, was dabei weibliche Führungskraft ausmacht. Margit Kohl-Woitschik glaubt, „dass es mit Frauen grundsätzlich etwas menschlicher“ zugeht. Gisela Kohl-Vogel scheint ähnlich zu ticken: „Während Männer bei Verhandlungen erst einmal vertikal klären wollen, wer das Sagen hat, kommen wir Frauen schneller auf eine Wellenlänge, bei der es um die Sache geht.“

Umso herzlicher sind auch Männer zur Preisvergabe eingeladen, lässt der Vorstand verlauten. Sie findet statt am Donnerstag, 19. Mai, 19 Uhr, im Krönungssaal des Rathauses. Die Laudatio hält Stadtsprecher Bernd Büttgens.

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